Brauner und Faymann präsentieren viertes Frauenhaus für Wien

Schutz und Hilfe für misshandelte Frauen - Opferschutz wird weiter ausgebaut

Wien, (OTS) Frauenstadträtin Mag. Renate Brauner und Wohnbaustadtrat Werner Faymann stellten Donnerstag zwei Projekte vor, durch die das Angebot der Stadt für Opfer von Gewalt in der Familie deutlich verbessert wird. Mit einem finanziellen Aufwand
von 90 Millionen Schilling entsteht in Wien ein viertes
Frauenhaus, darüber hinaus übersiedelt das erste Wiener Frauenhaus in einen Neubau. Einerseits werden neue Krisenplätze im Südraum Wiens geschaffen, andererseits soll durch die Übersiedlung des ersten Frauenhauses die dringend notwendige Standardanhebung erfolgen. Die Finanzierung der laufenden Kosten erfolgt durch das Budget der Frauenstadträtin. Dieses Jahr betrug die Subventionssumme für die drei Wiener Frauenhäuser 39 Millionen Schilling. Wien ist übrigens das einzige Bundesland, in dem Frauenhäuser zum fixen Bestandteil des Stadtbudgets zählen - in allen anderen Bundesländern müssen die Mitarbeiterinnen jedes Jahr auf die Zusage weiterer Förderungen hoffen.****

Laut einer Empfehlung des Europäischen Parlaments sollen pro 10.000 Einwohner ein Platz für eine misshandelte Frau in einem Frauenhaus zur Verfügung stehen. Bei mehr als 1,6 Millionen EinwohnerInnen in Wien ergibt das einen Bedarf von 160 Plätzen.
Ein Ziel, das Wien mit diesen beiden Projekten erreicht. Derzeit kann in den Wiener Frauenhäusern ca. 100 Personen pro Tag Platz geboten werden. Zukünftig werden 150 bis 160 Frauen und Kindern Wohnplätze zur Verfügung stehen.

Bund spart auf Kosten sozial Schwacher - Stadt Wien steht zu jenen, die Hilfe brauchen

"Während die neue Bundesregierung nur eines kennt, nämlich sparen auf Kosten sozial Schwacher und hilfsbedürftiger Menschen, stellt sich die Stadt Wien weiterhin und konsequent auf die Seite derer, die Unterstützung brauchen", erklärte Brauner anlässlich der Präsentation. Zwar sei durch das seit 1. Mai 1997 in Kraft befindliche "Gewaltschutzgesetz" eine "deutliche Verbesserung" der Lage eingetreten, für viele Frauen sei jedoch die Flucht in ein Frauenhaus nach wie vor die einzige Möglichkeit einer gewaltvollen Beziehung zu entgehen.

Wohnbaustadtrat Faymann unterstrich: "Es ist eine selbstverständliche Aufgabe der Stadt Wien, dass sie Wohnraum für Frauen und Kinder in Krisenfällen in ausreichendem Ausmaß zur Verfügung stellt. 18 Millionen der insgesamt 88 Millionen
Schilling kommen daher aus der Wohnbauförderung. Beim Neubau des ersten Frauenhauses wurde darüber hinaus ein völlig neues Konzept verfolgt. Erstmals konnten bereits bei der Planung des Projekts
die MitarbeiterInnen des Vereins Wiener Frauenhäuser ihre Erfahrungen bei der Betreuung misshandelter Frauen und Kinder einfließen lassen. Dadurch konnte das Frauenhaus besonders auf die Bedürfnisse seiner BewohnerInnen abgestimmt werden".

Der aktuelle Bericht des Vereins der Wiener Frauenhäuser gibt den PolitikerInnen Recht: 1999 mussten zahlreiche Anfragen misshandelter Frauen abgelehnt werden - aus Platzmangel.
"Insgesamt suchten im Vorjahr 393 Frauen und 365 Kinder Schutz und Unterstützung in einem der drei Wiener Frauenhäuser. Es wurden 16.829 Aufenthaltstage von Frauen gezählt und 18.224 von Kindern", berichtetet die Vorsitzende des Vereins Wiener Frauenhäuser, Landtagsabgeordnete Martina Ludwig. In der Beratungsstelle der Wiener Frauenhäuser wurden 3.925 Beratungskontakte gezählt. Ein weiterer Schwerpunkt der Wiener Frauenhäuser war die Arbeit mit Kindern, den oftmals "vergessenen Opfern", wie Ludwig zu berichten weis:" Kinder sind nicht immer direkte Opfer familiärer Gewalt;
was sie aber täglich oft über Jahre miterleben müssen, erfordert eine spezielle Betreuung, die in den Wiener Frauenhäusern verstärkt angeboten wird." Auch die Kooperation mit der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft aber auch der MA 11 wurde daher intensiviert. In diesem Zusammenhang unterstrich die Landtagsabgeordnete ihre prinzipielle Ablehnung der gesetzlichen Regelung einer gemeinsamen Obsorge nach der Scheidung, denn:
"gemeinsame Obsorge kann als Druckmittel auf die Frauen eingesetzt werden und die Leidtragenden wären die Kinder. Ich appelliere
daher an die Bundesregierung das neue Kindschaftsrecht noch einmal zu überdenken."

Gewaltschutzgesetz wirkt - Opferschutz weiter ausbauen

"Gewalt ist kein Mittel zur Lösung von Problemen - das müssen wir den Tätern ganz klar und deutlich machen", unterstrich
Brauner. Ein wichtiges Mittel um den Tätern vor Augen zu führen, dass ihr Verhalten Konsequenzen hat, ist das bundesweite Gesetz
zum Schutz vor Gewalt in der Familie. Seit 1. Mai 1997 ist das Gewaltschutzgesetz in Kraft. Hauptcharakteristikum dieses neuen Gesetzes ist, dass nicht mehr die Opfer (meist Frauen und Kinder) den gemeinsamen Wohnort verlassen müssen, sondern der Täter von der Polizei mit einer Wegweisung oder einem Betretungsverbot
belegt werden kann. Darüber hinaus kann das Opfer eine
Einstweilige Verfügung beantragen, die das Wegbleiben des Täters auf längere Zeit erstreckt.

Im Jahr 1999 kam es laut Angaben der Bundespolizeidirektion Wien zu 416 Wegweisungen, 556 Betretungsverboten und in weiterer Folge wurden 117 Strafverfahren eingeleitet. Von Jänner bis Mai 2000 gab es in Wien bereits 278 Wegweisungen, 375
Betretungsverbote und 72 eingeleitete Strafverfahren. "Das Gewaltschutzgesetz wirkt", zeigt sich Brauner überzeugt. "Trotzdem müssen wir den Opferschutz weiter und konsequent ausbauen."

Das erste Wiener Frauenhaus übersiedelt

Das erste Wiener Frauenhaus befindet sich derzeit in einem Privathaus im Innergürtel-Bereich. Im Vergleich zu den beiden anderen Häusern sind die Wohnplätze in diesem Haus sehr klein, sehr teuer und der Wohnstandard ist schlecht. Mehrere Frauen und deren Kinder müssen sich ein Zimmer teilen, es gibt viele Durchgangszimmer, Gemeinschaftsduschen für alle, keinen Garten und sehr wenig Platz für die Frauen und vor allem für die Kinder. Intimsphäre und die Möglichkeit sich zurückzuziehen ist praktisch nicht gegeben.

Durch die Übersiedlung in einen Neubau, der von Architekt Roland Cäsar geplant wurde, sollen die Wohnverhältnisse der betroffenen Frauen nun wesentlich verbessert werden. Das Haus wird in 23 Wohneinheiten - eine davon behindertengerecht - für 44 Personen Platz bieten. Viele Gemeinschaftseinrichtungen und Rückzugsmöglichkeiten, die im 5. Bezirk nicht untergebracht werden konnten wie z.B. ein "Toberaum" für Kinder, Teeküche, Fernsehräume, ein Kinderspielraum, Besprechungszimmer, ein Bewegungsraum, ein Gruppenraum, Kindertherapieräume, etc., finden nun im Neubau Platz. Auch ein Garten für Frauen und Kinder, die
aus Sicherheitsgründen das Haus über längere Zeit nicht verlassen können, steht zur Verfügung. Ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem, sowohl im Haus als auch im Garten, wird die Frauen vor unerwünschten Übergriffen schützen.

Der Baubeginn wird noch in diesem Jahr erfolgen und nach
einer ca. 20-monatigen Bauzeit wird das "neue erste Wiener Frauenhaus" beziehbar sein. Die Baukosten für diesen Neubau liegen bei 19,7 Millionen Schilling

Das vierte Wiener Frauenhaus entsteht

Gleichzeitig soll im Süden Wiens das vierte Wiener Frauenhaus entstehen. In einem Wohnhaus aus der Zwischenkriegszeit werden
durch Totalsanierung und Umbau 20 Wohneinheiten errichtet. Das Gebäude ist im Besitz der Stadt Wien, die Kosten liegen bei 14,7 Millionen Schilling.

Neben drei Einzelwohneinheiten und acht Doppelwohneinheiten wird es auch eine Kriseneinheit für Frauen die suizidgefährdet sind oder sich in psychischen Grenzsituationen befinden, geben. In den Doppelwohneinheiten benützen jeweils zwei Frauen mit ihren Kindern eine Küche und Dusche/WC gemeinsam. Diese Einheiten sind unterschiedlich groß, da sowohl allein stehende Frauen als auch Frauen mit einem oder mehreren Kindern untergebracht werden.

Auch im vierten Wiener Frauenhaus stehen den Bewohnerinnen
ein Garten und eine Fülle von Gemeinschaftseinrichtungen zur Verfügung. Dazu gehören ein großer Gruppenraum für interne Veranstaltungen, ein Bewegungsraum, ein Besprechungszimmer, ein Kindertherapieräume, ein Kinderspielraum, ein "Toberaum" für Kinder, ein Jugendraum, eine Teeküche und Fernsehräume.

Mit der Sanierung des Hauses wird noch in diesem Jahr
begonnen. Nach 18 Monaten soll das vierte Wiener Frauenhaus fertig gestellt sein. Es wird 20-25 Frauen und ebenso viel Kindern Platz bieten. (Schluss) kat/wj

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