Maringer: "Vorlehre für alle" ist Falle für alle!

ÖVP-FPÖ-Modell schadet den Jugendlichen, den Betrieben und dem Standort

Wien (Gewerkschaft Metall -Textil/ÖGB). "Die geplanten Änderungen bei der Vorlehre sind eine Falle für die Jugendlichen, für die Unternehmen und somit eine Falle für die Wirtschaft unseres Landes", sagt Albert Maringer, Vorsitzender der Jugend in der Gewerkschaft Metall-Textil, zu den geplanten Maßnahmen in der Berufsausbildung, die heute, Mittwoch, den Nationalrat passieren sollen.++++

"Ich kann jeden Jugendlichen nur davor warnen, eine Vorlehre zu absolvieren!", so Maringer. Die Jugendlichen würden sich den Unternehmen ausliefern, da sie keine Garantie auf Anrechnung der Vorlehrezeit oder auf Weiterbeschäftigung hätten. Maringer: "Ein Jugendlicher würde dann drei Jahre im Rahmen einer Vorlehre Schlosser lernen, bekommt dann drei Jahre eine Lehrlingsentschädigung in der Höhe des ersten Lehrjahres und kann dann weder sicher sein, ob ihm davon mehr als sechs Monate angerechnet werden, noch ob und wie lange er weiter im Betrieb bleibt. Das ÖVP-FPÖ-Modell der Vorlehre für alle macht die Jugendlichen abhängig vom guten Willen der Unternehmer, denn der Vorlehre-Vertrag kann während der ersten sechs Monate jederzeit aufgelöst werden, zu einer guten Ausbildung trägt dieses Modell nichts bei."

Maringer fordert das Verantwortungsbewusstsein der Unternehmer ein: "Diese Vorlehre ist auch für die Unternehmen eine Falle. Auf den ersten Blick mag es finanziell sehr verlockend sein, Jugendliche in Vorlehren aufzunehmen. Aber wer hat denn etwas von schlecht ausgebildeten Jugendlichen, die nach drei Jahren vielleicht wieder bei Null anfangen müssen und die demotiviert sind, weil ihnen keine Chancen für die Zukunft auf den Weg mitgegeben werden? Weder den Betrieben noch der Wirtschaft des Landes nützt das etwas!" Maringers Appell an die Unternehmen lautet daher: "Gehen sie nicht auf dieses Sackgassen-Modell der 'Vorlehre für alle' ein! Handeln sie im eigenen Interesse verantwortungsvoll und vorausschauend und setzen Sie weiterhin auf gute Ausbildung."

Selbstverständlich bekenne sich die Gewerkschaft Metall-Textil und ihre Jugendabteilung zu Hilfestellungen für lernschwache und benachteiligte Jugendliche. Im eigenen Bereich gebe es dazu einige sehr engagierte Projekte wie beispielsweise die Ausbildung gehörbehindeter Jugendlicher bei Siemens. "Ziel kann aber nicht sein, in drei Jahren das zu vermitteln, was ansonsten im ersten Lehrjahr gelernt wird, und das unter sklavenähnlichen Bedingungen", so Maringer. "Ziel muss es sein - wie bei Siemens - auf die Bedürfnisse der Jugendlichen einzugehen und ihnen für eine gesicherte berufliche Zukunft alle Möglichkeiten zu geben."

Die "Vorlehre für alle" sei ein Schritt, um das Jugend-Ausbildungssicherungsgesetz zu vernichten, sagt Maringer: "Die Bundesregierung folgt damit aber sehr konsequent ihrem Vorhaben, den Schwachen zu nehmen und den Starken zu geben. Denn nichts anderes ist es, wenn man den Jugendlichen ihre Chancen auf die Zukunft nimmt und der Wirtschaft gleichzeitig Hilfsarbeiter schenkt, die den Unternehmern hilflos ausgeliefert sind. Das wird sich aber spätestens dann bitter rächen, wenn die Wirtschaft den Facharbeitermangel, den diese Regierung offenbar mutwillig produziert, bejammert."

Auch die Einbringung des diesbezüglichen Antrages im Nationalrat entspreche dem bisherigen Handeln der Bundesregierung, den Weg der Sozialpartnerschaft zu verlassen, Gesetzesvorlagen ohne Begutachtungsverfahren im Parlament einzubringen und über die Betroffenen "einfach darüber zu fahren", so Maringer abschließend.

ÖGB, 5. Juli 2000
Nr. 594

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