WirtschaftsBlatt über Kleider Bauer - Mutige Brüder (von Michaela Lexa)

Ausgabe vom 5.7.2000

Wien (OTS) - Mut kann man den Unternehmern Peter und Werner Graf wahrlich nicht absprechen. Mit dem Kauf von 30 Filialen der in Konkurs geschlitterten Textilkette Kleider Bauer werden sie in Zukunft am österreichischen Bekleidungsmarkt kräftiger mitmischen. Angesichts der tristen Branchenlage kann man ihnen dabei nur alles Gute wünschen. Denn nach Meinung von Branchenexperten wird ein Drittel der 8500 Bekleidungsgeschäfte nicht überleben. Ihr Umsatz liegt unter der Überlebensgrenze von 40.000 Schilling Jahresumsatz pro Quadratmeter. Und bei 25 Prozent aller Händler ist das Eigenkapital negativ. Nicht einmal ein Gigant wie der deutsche Modehändler Wöhrl konnte Kleider Bauer retten. Bei der Übernahme waren die Ambitionen noch gross - zu gross. Wöhrl wollte das verstaubte Image von Kleider Bauer abkratzen und das Traditionsunternehmen zur Nummer eins in Österreich machen. Dieser Platz ist aber längst in Händen der beiden Grossmächte H&M und C&A. Dass diese nicht so einfach das Ruder abgeben wollen, liegt auf der Hand. Auf Grund ihrer Grösse können sie wesentlich kostengünstiger arbeiten und mit aggressiven Preisen den ohnehin hart umkämpften Markt aufmischen. Dass auch Riesen nicht vor Rückschlägen gefeit sind, zeigen etwa die Probleme von C&A. So musste der deutsche Riese in Grossbritannien kapitulieren. In den nächsten neun Monaten werden alle 113 Standorte auf der Insel geschlossen. Und in Österreich erwies sich der Verkauf von T-Shirts via Internet als Stolperstein. Die Online-Schiene wurde eingestellt, weil Investitionen und Erlös in keinem Vergleich zueinander standen. Die Lage wird sich auch in Zukunft nicht bessern. Die Umsätze der Bekleidungsbranche in Österreich, die im Jahr 55,7 Milliarden Schilling ausmachen, stagnieren. Zudem entdecken immer mehr ausländische Diskonter de= n rotweissroten Markt. Um überleben zu können, muss man entweder bei der Preispolitik mitmachen können oder auf ein kleine, aber kapitalschwere Kundenschicht abzielen. Kleider Bauer kann im Moment weder das eine noch da= s andere. Bleibt abzuwarten, wie die Gebrüder Graf sich positionieren werden und wie sie mit weit höheren Personalkosten und Mieten zurecht kommen. Im Sinne der 1200 Mitarbeiter kann man nur hoffen, dass der Faden nicht wieder reisst. (Schluss) mile

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