"Kleine Zeitung" Kommentar: "Zündschnur" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 05.07.2000

Graz (OTS) - Ausgerechnet der Nachbar Deutschland hat Österreich besonders schroff und abweisend behandelt. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer zeigten Wolfgang Schüssel bisher die kalte Schulter und waren in der Verurteilung der schwarzblauen Koalition mindestens so unerbittlich wie die Franzosen.

Erstmals sind aber aus Berlin andere Töne zu hören. Nach Einschätzung des Staatsministers im Auswärtigen Amt, des Grünen Ludger Volmer, denken die 14 EU-Staaten derzeit ernsthaft über ein Ende der Sanktionen nach.

Noch aufschlussreicher als diese Nachricht ist allerdings die Begründung, die der Staatssekretär für das Aufbrechen der Ablehnungsfront beisteuerte: Man brauche bei solchen Strategien wie im Fall Österreich immer eine Exit-Option, da sonst die Lage eskalieren könne, "wie man sie eigentlich gar nicht haben wollte".

Aus der Sprache der Diplomaten in die des Alltags übersetzt heißt das: Bevor die Lage in Österreich außer Kontrolle gerät, suchen wir den Ausstieg.

Das würde uns freuen, löst aber das Problem nicht, dass man über die Exit-Option erst nachdachte, als die Zündschnur zum Volksbegehren in Brand gesetzt wurde. ****

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