Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Verantwortung statt Strafe

Ausgabe vom 4.7.2000

Wenn es nach der FP-Familiensprecherin Edith Haller geht, sollen in Zukunft junge Menschen statt mit 19 bereits mit 18 Jahren strafmündig sein. Der rechtlichen Besserstellung in Form der geplanten Volljährigkeit mit 18 Jahren seien schließlich auch Pflichten gegenüberzustellen, so die rückwärts gewandte Argumentation. Eine allzu simple Rechnung, die ganz sicher nicht aufgeht.

In anderen europäischen Ländern geht die Entwicklung in eine vollkommen andere Richtung - wie nicht zuletzt der Präsident des Jugendgerichtshofes, Udo Jesionek, kürzlich berichtete. Man versuche, jugendstrafrechtliche Sonderregelungen auch für volljährige Heranwachsende anzuwenden. Ob es sich um ein "typisches Jugendvergehen" handle, werde im Einzelfall entschieden. Die Instrumente des Jugendstrafrechts seien vielfältiger.

Es ist zu wenig, nur darüber nachzudenken, ab welchem alter ein junger Mensch die volle Wucht des Gesetzes zu spüren bekommen soll. Hinter diesem Ansinnen steckt der pure Ruf nach Strafe. Was richtet der Gesetzgeber an, wenn er jemandem den Stempel des Kriminellen aufdrückt, vielleicht dessen Leben ein für alle Mal zerstört und dadurch wieder zum Straftäter werden lässt? Strafe führt nirgendwohin. Der Weg nach vorne kann nur darin bestehen, möglichst vielfältige Instrumentarien zu nutzen, damit Täter ihre Verantwortung für das Geschehene übernehmen könne, also beispielsweise gemeinnützige Arbeiten verrichten. Hier gilt es, die positiven Ansätze der Diversion weiterzudenken. Jemand der Verantwortung trägt, hat auch Anspruch auf Volljährigkeit.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
E-Mail: ktzredaktion@apanet.atKärntner Tageszeitung

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI/KTI