"Kleine Zeitung" Kommentar: "Willkür" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 04.07.2000

Graz (OTS) - Bis zum Beschluss der Pensionsreform im Nationalrat herrsche weiterhin Streikbereitschaft bei den Eisenbahnern, bekräftigte Gewerkschaftschef Wilhelm Haberzettl.

Die Drohung erinnert an den Kraftmeier, der meint, seine Umgebung beeindrucken zu können, wenn er die Faust im Hosensack ballt.

Der Probegalopp, als für eine Stunde die ausfahrenden Züge stillstanden, hat den Gewerkschaftern gezeigt, wie wenig Verständnis die Bevölkerung dafür hat, wenn Eisenbahner wie der 45-jährige Haberzettl, die sich erst dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft nähern, weiterhin mit 53 in den Ruhestand treten wollen und dieses Vorrecht auch noch mit Streiks zu verteidigen versuchen.

Das Verständnis sinkt gegen null, wenn der Gewerkschaftschef im selben Atemzug, in dem er die Streikbereitschaft beschwört, tausende Klagen beim Verfassungsgerichtshof ankündigt. Die Eisenbahner hätten nämlich privatrechtliche Verträge, in die der Staat gar nicht eingreifen dürfe.

Wenn diese Verträge so wasserdicht sind, wie die Gewerkschaft behauptet, könnte sie mit Gelassenheit den Richterspruch abwarten. Der Warnstreik wäre dann nicht Notwehr, sondern Willkür gewesen. ****

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