HGPD-Kaske: "Die Devise der Regierung: Der Jugend keine Chance."

Tourismusgewerkschaft kritisiert geplante Novelle zum Kinder- und Jugendbeschäftigungsgesetz

Wien (HGPD/ÖGB)."'Der Jugend keine Chance’, scheint die Devise dieser Bundesregierung zu sein", empörte sich heute der Vorsitzende der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD), Rudolf Kaske, in einem gemeinsamen Pressegespräch mit seinem Stellvertreter Alfred Gajdosik. Die Tourismusgewerkschafter kritisierten die Novelle zum Kinder- und Jugendbeschäftigungsgesetz, die am 05. Juli 2000 im Parlament verabschiedet werden soll.++++

"Was soll zukünftig ein Lehrling zwischen 22 und 23 Uhr lernen, was er nicht vor 22 Uhr lernen hätte können?", fragte Kaske und gab gleich selbst die Antwort: "Eigentlich nur, dass es der Regierung nicht um seine Ausbildung sondern um seine Ausbeutung geht." Der HGPD-Vorsitzende wies darauf hin, dass ein Lehrling dem Arbeitgeber im Jahr um brutto 100.000 Schilling (7.267 Euro) billiger komme als eine Hilfskraft oder eine Fachkraft im ersten Gehilfenjahr: "Da sollen rund zwei Drittel der 13.500 Gastgewerbelehrlinge teurere Erwachsene ersetzen - für die Arbeitgeberseite eine geschätzte Lohnkostenersparnis von 400 bis 500 Millionen Schilling brutto im Jahr."

Kaske kritisierte auch das Verlängern der Probezeit auf drei Monate: "Wenn der Arbeitgeber will, kann er den Lehrling nach der Saison wieder wegschicken."

Besondere Skepsis bringt die Gewerkschaft HGPD auch den neuen Lehrberufen Gastgewerbeservicefachmann/-frau (Lehrzeit 2 Jahre) und Hotelleriefachmann/-frau (Lehrzeit 3 Jahre) entgegen. "Diese Lehrberufe sind einfach überflüssig", erklärt der HGPD-Vorsitzende Stellvertreter Alfred Gajdosik: "Sie bedeuten eine Qualitätssenkung -und das, wo gerade in der Dienstleistung Qualität immer wichtiger wird." Die Sozialpartner hätten sich vor gar nicht langer Zeit auf das Berufsbild des Hotel- und Gastgewerbeassistenten geeinigt. "Der Hotelleriefachmann, so wie geplant, entspricht dem ’Hausl’, ist also eine Art Mädchen für Alles. Der muss wahrscheinlich Frühstück servieren, Koffer schleppen, vielleicht die Umweltschutzaufgaben übernehmen, Zimmer herrichten und so weiter - eine Schmalspurlehre ohne Zukunftsaussichten." Ähnlich verhalte es sich mit dem Lehrberufsbild Gastgewerbeservicefachmann/-frau: "Das ist der klassische Hilfskellner. Hier wird am falschen Platz gespart." Und Rudolf Kaske ergänzte: "Mit diesem Anschlag auf die Qualitätsausbildung werden wir von Tourismusweltmeistern zu Tourismushausmeistern."

Kaske übte auch neuerlich Kritik an der Aufstockung des Saisonnierkontingents. Das bisherige Kontingent an ausländischen Tourismusarbeitskräften aus Nicht-EU-Staaten wurde von Wirtschaftsminister Bartenstein auf 2.920 Personen erhöht. Kaske: "Im letzten Sommer gab es 1.200 Saisonniers, jetzt sind es zirka 150 Prozent mehr. Bei rund 35.000 Ende Mai gemeldeten Arbeitslosen in der Branche ist das der helle Wahnsinn."(kk)

ÖGB, 3. Juli 2000
Nr. 589

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