"Die Presse" Kommentar: "Ein hilfloser Neustart" (von Claudia Dannhauser)

Ausgabe vom 3.7.2000

Wien (OTS) Das Liberale Forum hat einen bemitleidenswerten Zustand erreicht.
Jene Konferenz, die am Wochenende einen kräftigen, wenn schon nicht schwungvollen Neustart markieren sollte, fand kaum Interessenten. An der Spitze der Partei steht zwar wieder einer ihrer Gründer -Friedhelm Frischenschlager -, aber die Präsidiumsmitglieder versagten ihm die offizielle Übernahme der Liberalen. Man nennt ihn Präsidiumssprecher, nicht Bundessprecher. Und das auch nur zeitlich begrenzt. Die letzten Getreuen des LIF glauben offenbar selbst nicht mehr an eine Erholung ihrer Partei.
Bei der Bewältigung des Rücktritts von Kurzzeit-Parteichef Christian Köck zeigte sich, daß die Liberalen ihr grundsätzliches Problem nie gelöst haben: Heide Schmidt dominierte Inhalt und Stil. Daneben formierten sich Individualisten mit widersprüchlichen Ideen, die sich partout nicht vereinen ließen. Die Erstellung eines von allen getragenen Gesamtbildes ist nach dem Abgang von Schmidt nahezu unmöglich geworden. Daran wäre wohl auch ein anderer Parteichef als der beruflich vielfältig engagierte Köck gescheitert, der mehr Zeit in den Umbau des LIF gesteckt hätte.
Und so bieten die verbliebenen Liberalen ein erschreckendes Bild im Umgang, den man miteinander pflegt. Die Art der Bestellung Frischenschlagers ist dabei nur das jüngste Beispiel. Am Freitag konnten die einen einer Interims-Lösung mit den Köck-Stellvertretern Christian Brünner und Alexandra Bolena nicht und nicht zustimmen. Die anderen wollten partout keinen Thomas Barmüller an der Spitze. Dem einzigen, der sich als Bundessprecher zur Wahl gestellt hatte, verzeihen viele noch immer seine FP-Vergangenheit nicht.
Wirklich beschämend ist aber das Schauspiel, das die Wiener Liberalen bieten. Im Gemeinderat sitzen zwei LIF-Fraktionen, die nicht einmal mehr über wichtige Beschlüsse miteinander reden und ganz offen neutrale Vermittler zur Kommunikation benutzen. Soviel Selbstzerfleischung lähmt selbst die politischen Gegner. Die können aber ohnehin getrost auf die Wiener Wahl warten und das gar nicht so kleine städtische Wählerpotential der Liberalen untereinander aufteilen.

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