"Neues Volksblatt" Kommentar: "Erster Schritt" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 30. 6. 2000

LINZ (OTS) - Österreichs Härte und Festigkeit hat sich in der Frage der EU-Sanktionen fürs Erste einmal gelohnt. Immerhin mussten die 14 den ersten Schritt setzen und immerhin wollen sie jetzt nachträglich prüfen lassen, was sie vorher ungeprüft verurteilt haben. Damit erschöpfen sich aber die Positiva des neuesten Guterres-Briefes auch schon. Denn der genannte erste Schritt entspringt nicht besonders edlen oder gar freundschaftlichen Gefühlen einem Mitglied der europäischen Familie gegenüber, sondern dem dringenden Bedürfnis, ein lästiges Thema, an dem man selbst schuld ist, endlich vom Tisch zu bekommen. Das allerdings ist ein Trugschluss. Erstens ist die Frage, wie in der EU die Großen mit den Kleinen umgehen, dank Österreich aktueller denn je. Zweitens gibt es für Österreich keinen Grund, plötzlich klein beizugeben. Festigkeit ist nach wie vor gefragt, solange die Maßnahmen der 14 aufrecht sind und kein klares Ausstiegsszenario gezeichnet ist. Die Aussicht auf "erneute Prüfung", wo noch nie eine stattgefunden hat, ist höchstens ein nachträgliches Eingeständnis eines Versäumnisses, aber nicht mehr. Trotzdem ist der Brief auch eine Chance: Der erste Schritt ist immer der schwierigste. Wenn man Österreich endlich mitreden lässt, könnte der nächste und endgültige sehr bald folgen.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Neues Volksblatt

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PVL/OTS