Pressestimmen/Vorausmeldung/Bildung "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Lehrer als "Parasiten"

Ausgabe vom 29.6.2000

Klagenfurt (OTS) - Wie würde wohl ein europäischer "Weisenrat" reagieren, sähe er sich bereits mit dem jüngsten bildungspolitischen Diskussionsbeitrag von Jörg Haider konfrontiert? Er würde sich die Haare raufen, das Amt niederlegen und die Flucht ergreifen. Für Menschenverachtung, die es darauf anlegt, auch als solche erkannt zu werden, braucht man wirklich keine Beobachter. Man braucht nur Radio hören, Zeitung lesen. Hier, bei uns, wird nichts mehr verklausuliert, die Verachtung des Individuums und ganzer Gruppen ist politische Struktur.
Das mehr als Bedenkliche dabei ist, dass wir uns zwar darüber alterieren, aber dann doch gefallen lassen. Wir nehmen lediglich ein wenig schimpfend zur Kenntnis, dass die österreichische Politik einzelne Staatsbürger und Gruppen als generell unordentlich und als Fasching feiernde, parasitäre Elemente brandmarkt. Es geht überhaupt nicht darum, ob im Bereich Schule und Lehrer Veränderungen stattfinden sollen oder nicht, es geht ausschließlich um einen Duktus, der nur eines zum Ausdruck bringt - den Ekel der Politik vor dem Menschen.
Jörg Haiders Duktus ist der Wort gewordene Ekel. Die Schule ist ihm der Unort außer Kontrolle geratener Parasiten. Es wäre fatal, zu meinen, Haider wollte damit den Boden lediglich für eine budgetverträgliche Reform bereiten. Doch die öffentliche Brandmarkung der Lehrer ist keine Stimmungmache pro Einsparung, sondern eine Stimmungmache gegen Bildung und freies, kritisches Denken. Haider ekelt vor der Gedankenfreiheit. Deshalb sind für ihn Lehrer "Parasiten".

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