"Neues Volksblatt" Kommentar: "Sommerparty" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 29. 6. 2000

Linz (OTS) - Der ÖGB-Aktionstag ist ohne größere Belästigung der Bevölkerung vorübergezogen. Die Erfinder dieser Show berufen sich auf ihr besonderes Verantwortungsbewusstsein. Die Wahrheit sieht allerdings anders aus. Die ÖGB-Spitze musste sich mit Kundgebungen auf dem Niveau einer netteren Sommerparty abfinden, weil für mehr Protest bei den Österreichern kein Verständnis zu finden ist. Die Mehrheit hat erkannt, dass nach 30 Jahren SPÖ-Dominanz Einschnitte unerlässlich sind. Hätten die Protestredner an ihre eigenen starken Sprüche aus den unteren Laden des Klassenkampfes geglaubt, hätte eine ganz andere Welle der Empörung durchs Land ziehen müssen. So aber hat man die Räder in der verkehrsberuhigten Zeit stillstehen lassen. Und man musste auf die treuesten der treuen Genossen, die Eisenbahner und die Wiener Gemeindebediensteten zurückgreifen, um ja kein Risiko einzugehen. Das also ist aus dem ehemals mächtigen ÖGB geworden: Ein Verein mit ständigem Mitgliederschwund, der Aktionstage vor allem zur Selbstbestätigung inszeniert. Und der um seine Geschlossenheit bangen muss, weil gleichzeitig die Beamtenvertreter erfolgreich verhandeln. Etwas weniger Parteibrille und etwas mehr Ohr beim Volk könnte den ÖGB-Größen wirklich nicht schaden.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Neues Volksblatt
Chefredaktion
Tel.: 0732/7606/782

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PVL/OTS