"Neue Zeit" Kommentar: "Rösselsprung" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 29. 6. 2000

Graz (OTS) - Die Lösung der Pensionsfrage, die Verkehrsminister Michael Schmid gestern mit den Eisenbahnern ventilierte, hätte zu einem taktischen Schachzug mit schwer abzusehender Wirkung werden können. Die Erhöhung des Frühpensionsalters sozusagen auf "freiwilliger Basis" zu lösen, wäre ein spektakuläres Aufbrechen der Fronten gewesen. Sowohl der gewerkschaftlichen als auch der Regierungslinie. Der Rösselsprung hatte sich jedoch sehr bald als undurchführbarer Zug herausgestellt. Auf der einen Seite zeigte sich die Gewerkschaftsspitze besorgt, dass die Einheit der Arbeitnehmer-Vertreter durch eine eigene Lösung für die Eisenbahner gebrochen werden könnte. Auf der anderen Seite hatten die zuständigen Regierungsmitglieder kein Verständnis für die von Schmid als "sympathisch" bezeichnete Lösung und drehten allen Spekulationen sofort den Hahn ab.

Damit scheint klar, dass der gestrige Aktionstag des ÖGB noch lange nicht der Höhepunkt der Arbeitnehmer-Proteste gewesen sein kann. Die Regierung hat sich mit einem fest definierten Sparziel im gesamten Sozialbereich derart einzementiert, dass kein Millimeter Spielraum bleibt. Das ist bei den Eisenbahnern so, das zeichnet sich zuletzt bei den Lehrern ab und das wird bei den Beamten kaum anders sein. Die nächsten Streikdrohungen wurden bereits gestern ziemlich unverhohlen deponiert. Wenn es so weit ist, werden die Eisenbahner nicht mehr allein zum letzten Mittel der gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen greifen.

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