Kammerpräsident Leitl setzt auf Offensivgeist - BILD (web) Wiederholung OTS0245

Erneuerung der Kammerorganisation kann Vorbild sein für andere Bereiche - Schaffung eines Solidarfonds angekündigt

Wien (OTS) - "Starten wir die Offensive 'Wirtschaft Österreich', eine offensive Erneuerung unserer Wirtschaftsorganisation zur Bewältigung der vor uns liegenden großen Aufgaben", leitete der neugewählte Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Leitl, seine mit Spannung erwartete programmatische Antrittsrede ein. Die nächsten fünf Jahre werden mehr Veränderungen bringen als die vergangenen 25. Deshalb bedarf es einer Offensive in vieler Hinsicht, von der unter Kritik geratenen Sozialpartnerschaft bis zu einer Solidaritätsoffensive für unschuldig in Not geratene Betriebe.

Die Kammerorganisation werde als starke Interessensvertretung wesentlich zur Zukunftssicherung beitragen. Alle Fraktionen finden sich im neugewählten Präsidium wieder. Dies sei als Zeichen der Geschlossenheit und des Miteinanders angesichts des bevorstehenden Wandels zu verstehen, betonte der neugewählte Präsident. Es habe lange und gute Gespräche mit den anderen Fraktionen gegeben. "Dabei haben wir Brücken gefunden, über die wir auch in Zukunft gehen wollen." Besonders freue es ihn, dass es gelungen sei, manche Dinge außer Streit zu stellen: "Die Pflichtmitgliedschaft ist für die nächsten fünf Jahre kein Thema mehr".

Österreich dürfe die Zukunftsfelder der technischen Entwicklung nicht anderen überlassen. Deshalb müsse man gerade die jungen Dienstleister nach Kräften unterstützen und eine Offensive für Modernisierung und "new economy" in die Wege leiten. "Unsere new Kammer steht für die newcomer weit offen". Das ist eine ungeheure Herausforderung. Dabei müssen wir bereit sein, von den Besten zu lernen und die Besten übertreffen.

Für die Erneuerung der Wirtschaftskammerorganisation kündigte Leitl eine "kurze intensive Phase unter Einbeziehung aller" an. Man solle die Kammerreform im Herbst abhaken können. Eine neue Organisations-und Kostenstruktur soll "unter fairer Verteilung von Mitwirkungsrechten und mit entsprechend verteilten Lasten" umgesetzt werden: "Damit können wir zum Vorbild, auch für andere Bereiche bis hin zur Republik, werden". Die Umstellung auf neue Organisationsstrukturen sei kein notwendiges Übel, sondern eine freudig angenommene Herausforderung, betonte Leitl. Damit werde es gelingen, die Begeisterung der Mitglieder gegenüber ihrer Organisation wieder herzustellen und zu vertiefen. "Wir brauchen unsere Mitglieder. Sie sind es, die uns repräsentieren. Wir wollen, dass die Mitglieder sagen: Gäbe es die Kammer nicht, müsste man sie erfinden".

Im Rahmen der angekündigten Sozialpartner-Offensive bekannte sich der Präsident klar zur betrieblichen und überbetrieblichen Sozialpartnerschaft. Österreichs "positive Streitkultur" müsse an das 21. Jahrhundert angepasst werden. Ziel der Kammer ist es, Vorschläge vorzulegen, die umsetzungsfähig sind.

Mit Demonstrationen und Streiks werden keine Probleme gelöst, meinte Leitl in Anspielung auf die vor dem Haus der Wirtschaft aufgezogenen Demonstranten, mit denen er vor Beginn des Kammertages auch persönlich gesprochen habe. Streiks, so Leitl weiter, sind Mittel aus dem 19. Jahrhundert ("zum sachlichen Konflikt kommen auch noch emotionale Probleme"), gefragt sind Mittel aus dem 21. Jahrhundert. Sozialpartnerschaft sei als Zukunfts-, Erneuerungs- und Modernisierungspartnerschaft zu verstehen.

Zum Verhältnis zur Regierung meinte der Wirtschaftskammerpräsident, man sei bereit, in seinem Haus Wirtschaftspolitik vor Parteipolitik zu setzen. "Das erwarten auch unsere Mitglieder. Ein deutliches Zeichen ist die Zusammensetzung unseres Präsidiums". Die Kammer sei keine Neben- und schon gar keine Überregierung, vielmehr ein Partner, der bereit ist, zur Schaffung einer "Win-Win-Situation" beizutragen. Als "positive Ansätze" der neuen Regierung vermerkte Leitl die Umsetzung langjähriger Forderungen, vom Anlagenrecht bis zur Flexibilisierung der Ausbildung. Zu kritisieren sei hingegen die willkürliche Getränkesteuerlösung: "Das hat mir persönlich wehgetan. Es ist mir ein Herzensanliegen, zu versuchen, die Dinge jetzt wieder ins Lot zu bringen."

Generell sprach sich Leitl in seiner Antrittsrede immer wieder für "Optimismus statt Verdrossenheit" aus: "Damit können wir mehr erreichen, als uns viele Mitglieder zutrauen". Im Spannungsfeld zwischen freiem Wettbewerb und dem Schutz gewachsener Strukturen werde er sich persönlich um besonderes Verständnis für die Anliegen der kleinen Unternehmer, speziell auch der Nahversorger, bemühen. "Ich setze hier auf Solidarität und Kooperation". Ganz im Sinne dieser Überlegungen kündigte Leitl die Schaffung eines Solidaritätsfonds für unschuldig in Not geratene Betriebe an. Dieser soll in Kooperation mit den Landesorganisationen und den Landesregierungen auf die Beine gestellt werden.

Ein weiteres Anliegen, hob Leitl hervor, sei die Stärkung der EU-Präsenz der heimischen Wirtschaft. "Wir müssen Österreichs Vertretern den Rücken stärken. Das ist einer der wichtigsten Punkte".

Österreich brauche eine Gründeroffensive: "Werdet eurer eigener Chef. Wir helfen euch die Chancen umzusetzen, mit intensiver Beratung vor der Gründung und nach dem Start", appellierte Leitl an die Jugend. Die Unternehmerinnen ermunterte Leitl, vermehrt Funktionen in der Wirtschaft zu übernehmen: "Das täte unserer Interessensvertretung gut".

Zum Abschluss seiner Rede kündigte Leitl eine gemeinsame Resolution als Ergebnis des Kammertages an. "Darin werden wir die Weichen für die nächsten fünf Jahre stellen." (hp)

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