Slacik: Regierung plant völlige Aushöhlung des Ausbildungssystems

ÖGJ-NÖ protestiert gegen Änderungen im Berufsausbildungsbereich

Wien (ÖGB-NÖ) "Wenn diese Regierung nicht endlich zur Besinnung kommt, sind in Zukunft die Lehrlinge der Willkür der Unternehmer ausgesetzt. Ob es nun die Verlängerung der Probezeit, die Ausweitung der Arbeitszeit im Gastgewerbe auf 23 Uhr, die Verkürzung der Behaltefrist auf drei Monate oder die Einführung neuer "Leerberufe" ist - Politik nur für die Unternehmer, Lehrlinge und Eltern zahlen die Zeche", kritisierte Mittwoch der Landesvorsitzende der ÖGJ-NÖ, Patrick Slacik, im Rahmen einer Pressekonferenz in St. Pölten aus Anlass des österreichweiten Aktionstages des ÖGB. Dazu kommt noch, dass die Vorlehre, die bisher nur für besonders lernschwache Jugendliche vorgesehen war, von den Unternehmern auf alle Jugendlichen ausgeweitet werden kann und die Vorlehre von zwei auf drei Jahre ausgedehnt wird - "und diese Auszubildenden bekommen drei Jahre lang nur die Lehrlingsentschädigung des ersten Jahres", warnte Slacik.++++

Für den Landesvorsitzenden der ÖGJ-NÖ ist die Vorgansweise der Bundesregierung einfach widerlich: "Diese Regierung zieht sogar noch den Schwächsten in unserer Gesellschaft das Geld aus der Tasche. Am Beispiel eines Friseurlehrling bedeutet das: Ein Vorlehrling bekommt in drei Jahren eine Lehrlingsentschädigung von 138.000 S, ein Lehrling 194.000 S. Die Ersparnis für den Lehrherrn beträgt rund 56.000 S. Und als Dankeschön hat der Vorlehrling keinen Anspruch auf ein echtes Lehrverhältnis".

Die von der Regierung diktierten Widerlichkeiten:

Verlängerung der Probezeit auf drei Monate
Ausweitung der Arbeitszeit bis 23 Uhr im Gastgewerbe
Der Unternehmer bestimmt wer die Vorlehre macht
Ausweitung der Vorlehre von zwei auf drei Jahre
"Vorlehrlinge" bekommen drei Jahre die niedrigste Lehrlingsentschädigung
sechs Monate Probezeit für Vorlehrlinge
Verkürzung der Behaltefrist von vier auf drei Monate
Förderung ohne Qualitätskontrolle
Neue "Leerberufe"

Die ÖGJ-NÖ fordert deshalb:

Verkürzung der Probezeit auf ein Monat
Beibehaltung der Arbeitszeit im Gastgewerbe bis 22 Uhr Einschränkung der Vorlehre gemäß den strengen Richtlinien des AMS Keine Ausweitung der Vorlehrzeit
Sofortige Zurücknahme der geplanten "Leerberufe" wie :
Gastgewerbeservierfachmann/frau, WerkzeugschleiferIn, "Fachmann für Kommunikationsdienstleistungen" (Callcenter = TelefonistIn), Bürsten-und Pinselmacher, Kappenmacher, Obst- und Gemüsekonservierer (Gurkerlschlichter), Parkettleger, Trafikverkäufer,etc.

Ende der Stiftungen und Lehrgänge

"Bisher wurden im Rahmen des Auffangnetzes beim Übertritt in ein Lehrverhältnis die Lehrgänge fix angerechnet. Aber selbst das wurde nun gestrichen. Stattdessen entscheidet nun der 'Lehrherr' ob und wie viel angerechnet wird. Und nicht einmal die Finanzierung sowie die Zahl der Lehrgangsplätze sind gesichert", ist der ÖGJ-NÖ-Landesvorsitzende empört. Allein in Niederösterreich sind Hunderte Jugendliche davon betroffen: "Das BFI Niederösterreich, der inzwischen größte Jugendausbilder des Landes, betreut seit 1998 insgesamt 905 Lehrlinge, davon 453 in Lehrgängen und 452 in Stiftungen", erinnerte Slacik. "Die Unternehmer jammern ständig über die angeblich schlechte Qualifizierung der ArbeitnehmerInnen und waren schon in der Vergangenheit nur durch Milliardengeschenke bereit auszubilden. Diese Regierung aber ermöglicht ihnen noch die zusätzliche Ausbeutung der Jugendlichen, die darüber hinaus mit Rechtlosigkeit und 'Lehrherrenwillkür' dafür bestraft werden, dass sie einen Beruf erlernen wollen", schloss Slacik.

ÖGB, 28. Juni 2000
Nr. 562

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