"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Der Berg kreißte" (von Günther Schröder)

Ausgabe vom 28. 6. 2000

Innsbruck (OTS) - Was wurde nicht alles prognostiziert und gemutmaßt, welche grandiosen Ausstiegsszenarien die 14 da aus ihren Sanktionen gegen die österreichische Regierung finden werden. Nun, der europäische Berg kreißte gestern, geboren ward zwischen Lissabon, Paris und Brüssel aber nur ein Mäuslein: Die Sanktionen bleiben aufrecht, drei "Weise" sollen einen Bericht über die österreichische Regierung und die "Natur" der FPÖ schreiben.

Es ist nicht schwer zu erraten, wie man hiezulande reagieren wird:
Eine Volksbefragung ist schon so gut wie fix, vor allem die FPÖ wird sich die Chance, die EU-kritische Stimmung auf ihre Mühlen zu kanalisieren, nicht entgehen lassen - auch wenn das einige Risiken birgt. Immerhin will laut Umfragen nur eine Minderheit überhaupt hingehen.

Man könnte sich ja auch eingestehen, dass realistischerweise derzeit nicht mehr zu erwarten war und dass die berühmte Tür jetzt einen Spalt offen ist. Immerhin war eine "Beobachtung" durch einen "Weisenrat" der Vorschlag der österreichischen Außenministerin auf den Azoren. Was für skandalöse Zustände soll der Bericht schon aufdecken? Bis zum Gipfel von Biarritz am 13. Oktober könnte dann ein Ende der diplomatischen Isolation verkündet werden. Schließlich braucht Frankreich wegen der Regierungskonferenz alles andere als eine Verlängerung des Sanktionstheaters.

Doch die Zeichen stehen auf Sturm. Die Volksbefragung dürfte just zwei Tage nach Biarritz am Tag der steirischen Wahl stattfinden. Was das bedeutet, kann man sich leicht ausmalen. Es ist noch ein langer Weg bis zu einer neuen europäischen Normalität.

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