Gelungener Auftakt des ersten Life Science Circle Biotech Start-ups starten durch

Wien (OTS) - Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Beletage
des österreichischen Gewerbevereins beim ersten Life Science Circle der Innovationsagentur am 26. Juni 2000. Rund 250 Wissenschafter, Unternehmer und Geldgeber kamen zu dieser neuen Biotech-Plattform. Sechs Unternehmen stellten ihre Projekte vor und beantworteten das Veranstaltungsmotto "Biotech Start-ups in Österreich - Träumer oder knallharte Realisten?" klar: Biotechnologie steht auch in Österreich auf einem realen und erfolgversprechenden Boden.

Das Interesse an der Veranstaltung zeigt, dass die Biotech-Community das große wirtschaftliche Potential der Branche -internationale Studien prophezeien jährliche Wachstumsraten von rund 15 Prozent - erkannt hat. "Der Erfolg dieser neuen Idee", so Dr. Sonja Hammerschmid, Leiterin des Impulsprogramms Biotechnologie der Innovationsagentur, "ist ein Meilenstein für den weiteren Ausbau der Beziehungen zwischen Wissenschaft, Industrie und Investoren und damit für verstärkte Unternehmensgründungen in diesem Bereich". Mit dem für das Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium durchgeführten Impulsprogramm unterstützt die Innovationsagentur seit Mai 1999 Wissenschafter bei der kommerziellen Verwertung von Forschungsergebnissen. Bisher wurden acht Biotech Start-ups unterstützt, weitere neun sind in Begutachtung. Der Life Science Circle soll künftig zweimal jährlich zu verschiedenen Themen stattfinden.

Gastgeber Dr. Herwig Kainz vom österreichischen Gewerbeverein und Ex-Wissenschaftsminister Univ.-Prof. DDr. Hans Tuppy begrüßten die verstärkten Biotech-Aktivitäten in Österreich, wie z.B. den Cluster aus fünf Universitätsinstituten und acht Unternehmen am Vienna Bio Center. Mag. Christian Bartik vom Büro der Stadträtin Mag. Brigitte Ederer betonte, dass es ein wirtschaftspolitisches Ziel sei, den Bereich Biotechnologie zu stärken und die Stadt Wien zu einem angesehenen Standort für Biotech-Unternehmen auszubauen. Auch Wissenschafter unterstützen die neue Initiative der Innovationsagentur. Dr. Kurt Konopitzky, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Biotechnologie: "Es ist sehr wichtig, solche Aktivitäten zu setzen, damit Österreich seinen Rückstand bei der wirtschaftlichen Verwertung von Forschungserkenntnissen in diesem Bereich rasch aufholt."

Biotech Start-ups: Wege zum Erfolg

Dass Biotech Start-ups in Österreich keine Träumer sind, sondern auf festem wissenschaftlichem und erfolgversprechendem wirtschaftlichem Boden stehen, beweist Intercell. Das 1998 als Spin-off des IMP (Institut für molekulare Pathologie) und des Vienna Bio Center mit internationalem Risikokapital gegründete Unternehmen erarbeitete ein Konzept für die Entwicklung von synthetischen Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten und Krebs. Es konnte in drei Jahren seinen Mitarbeiterstand von sechs auf 55 fast verzehnfachen. Die innovative Impftechnologie ist gegen alle vier "Geiseln" der Menschheit - Bakterien, Viren, Parasiten und Krebs - einsetzbar. Der erste auf dieser Basis entwickelte Impfstoff gegen Hepatitis C wird bereits im Herbst des heurigen Jahres klinisch geprüft.

Wesentliche Fortschritte in der Medizin verspricht auch Nanosearch. Das Unternehmen arbeitet mit sogenannten S-Schichten (S-layers), kristalline Proteinsplitter, die auf nahezu allen Bakterien zu finden sind. Nanosearch, die eng mit dem Zentrum für Ultrastrukturforschung an der Universität für Bodenkultur und dem Ludwig Boltzmann-Institut für molekulare Nanotechnologie kooperiert, will die Eigenschaften dieser S-Schichten für die Entwicklung neuer Biomaterialien, Impfstoffe und Immunotherapeutika nutzen. Die 1986 gegründete Firma hat zehn Mitarbeiter und ist auf der Suche nach Investoren für neue Entwicklungen. Für 2003 ist der Gang an die Börse geplant.

Dass Viren clever eingesetzt auch Helfer der Menschheit sein können, zeigt Austrian Nordic, eines der jüngsten österreichischen Biotech Start-ups. Das vom dänischen Pharmakonzern Bavarian Nordic aufgrund der jahrelangen erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem Institut für Virologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien gegründete Unternehmen arbeitet daran, klassische chemotherapeutische Methoden für Bauchspeicheldrüsen- und Brustkrebs durch den Einsatz viraler Vektoren, die direkt in den Tumor eindringen, zu verbessern. Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs wurden erste klinische Versuche erfolgreich durchgeführt.

Ebenfalls mit innovativen Lösungen für die Krebstherapie beschäftigt sich Igeneon. Das Unternehmen entwickelt Impfstoffe, die nach einer Tumoroperation das Immunsystem anregen, im Körper verbliebene Krebszellen selektiv zu zerstören und so die Entwicklung von Metastasen zu verhindern oder zu verzögern. In den kommenden Wochen werden erste klinische Versuche mit dem vielseitig - etwa bei Darm-, Magen-, Prostata-, Brust-, Lungen- und Ovarialkrebs -einsetzbaren Medikament durchgeführt. 2004 sollen die ersten Produkte auf den Markt kommen. Igeneon erwartet für die Impfstoffe bereits in den ersten Jahren ein Umsatzpotential von mehreren hundert Millionen Schilling.

Wie breit die Möglichkeiten in der Biotechnologie sind, beweist die 1998 als Spin-off von Bender + Co. entstandene MedSystems Diagnostics. Das Unternehmen beschäftigt sich damit, in der biotechnischen Forschung als "Nebenprodukte" anfallende Reagenzien und Diagnostika auf kommerziellen Standard zu bringen und international zu vermarkten. MedSystems Diagnostics war bereits im zweiten Geschäftsjahr 1999 in der Gewinnzone, für heuer wird ein Umsatz von 24 Millionen Schilling erwartet. Derzeit werden 73 Prozent des Umsatzes in Europa, 14 Prozent in den USA und 13 Prozent in Asien erzielt. Im kommenden Jahr möchte das Unternehmen die Aktivitäten in den USA verstärken und den Umsatz auf 30 Millionen Schilling steigern. Das Marktpotential für diese Produkte wird weltweit mit rund einer Milliarde Schilling beziffert.

Dass Biotechnologie auch in schwierigen Phasen neue Chancen bietet, demonstriert Hämosan. Die 1988 gegründete Produktionsfirma spezialisierte sich ursprünglich auf die Produktion von Rinderserum Albumin aus Blut und kam 1990 durch die BSE-Krise in Schwierigkeiten. Das Unternehmen machte aus der Not eine Tugend und entwickelte neue Technologien zur Inaktivierung von TSE-Erregern (Transmissible Spongiphorme Encephalopathies, dazu gehören auch die BSE-Erreger). Heute koordiniert Hämosan drei EU-Forschungsprojekte, die unter anderem die Inaktivierung von TSE-Erregern in biologischem Material und verbesserte TSE-Testmethoden zum Ziel haben, die auch bei lebenden Tieren anwendbar sind. Als eines von mehreren Zukunftsprojekten steht auch die Entwicklung einer wirksamen Hilfe bei Methadonsucht am Programm.

Die Innovationsagentur, Veranstalterin des Life Science Circle, ist ein Dienstleistungsunternehmen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit, der Wirtschaftskammer Österreich und anderer Partner. Sie unterstützt seit 1984 universitäre Forscher, Erfinder und Unternehmer bei der kommerziellen Nutzung von innovativen Erfindungen, Produkten, Verfahren und Anwendungen.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Sonja Hammerschmid
Projektleiterin Impulsprogramm
Biotechnologie der Innovationsagentur
Telefon 01-216 52 93/345
E-mail shammerschmid@innovation.co.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS