"Neue Zeit" Kommentar: "Loyalitäten" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 27. 6. 2000

Graz (OTS) - Die jüngste Diskussion um Einsparungspläne bei den Lehrern lässt mehrere Schlüsse zu.

Erstens treibt die FPÖ ihr Spiel munter weiter, Berufsgruppen gegeneinander auszuspielen. Sie begann mit den Eisenbahnern, deren "Privilegien" an den Pranger gestellt wurden, um gewerkschaftliche Maßnahmen gegen das radikale Abräumen sozialer Rechte von Arbeitnehmern madig zu machen. Jetzt sind die Lehrer dran. Offenbar will die FPÖ mit den Arbeitnehmern "zehn kleine Negerlein" spielen und eine Berufsgruppe nach der anderen als "Sozialschmarotzer" hinstellen.

Die Reaktion der ÖVP-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer kann unterschiedlich gedeutet werden. Entweder treibt sie ein Doppelspiel und hofft, dass sich die Lehrer darüber freuen, wenn auf ihrem Rücken innerhalb von drei Jahren "nur" eine Milliarde Schilling statt der von der FPÖ verlangten jährlichen vier Milliarden eingespart werden soll.

Oder aber die Loyalität der Lehrerin Gehrer gegenüber ihrem Berufsstand ist tatsächlich größer als jene gegenüber der Regierung.

Sollte es darüber zu einem Konflikt in der Koalition kommen, wird bald eine wichtigere Loyalität zum Tragen kommen - jene von Kanzler Wolfgang Schüssel gegenüber seinem Königsmacher Jörg Haider. Dass Haider den von ihm abhängigen Kanzler auch in dieser Angelegenheit zur Räson bringt, darf angenommen werden.

Wie lange es der FPÖ gelingt, Berufsgruppen gegeneinander auszuspielen und abzuräumen, bleibt abzuwarten.

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