"WirtschaftsBlatt" über Pensionen: Keine Zeit mehr für Details von Jens Tschebull

Wien (OTS) - In ihrem verzweifelten Versuch, nur ja möglichst
wenig am lieb gewordenen Luxus-Pensionssystem zu ändern, haben Arbeitnehmervertreter sogar auf die Idee zurückgegriffen, für die sogenannten "Ersatzzeiten", etwa Wehrdienst oder Kindererziehung, mögen die zuständigen Stellen angemessene Beträge einzahlen. Nämlich das Bundesheer für die bei ihm beschäftigten Präsenzdiener bzw. der Familienlastenausgleichsfonds für die Zeiten der Brutpflege durch die Eltern. Diese vernünftigen Denkansätze wären vor 25 Jahren aktuell gewesen und hätten damals vielleicht zu einer nüchterneren Betrachtung der Pensionsfinanzierung geführt. Heute aber ist die Frage der Verteilung von Pensionsbeiträgen nicht mehr aktuell. Heute geht es nur noch darum, ein viel zu teures, hochstaplerisches Pensionssystem durch Leistungskürzungen, vor allem ein späteres Pensionsantrittsalter, auf den Boden der Realität zurückzuholen. Eine Umverteilung der Pensionslast vom Bundeszuschuss aus dem Sozialbudget zu Beiträgen aus dem Heeresbudget oder zum Familienlastenausgleichsfonds ist heute nur noch unbedeutendes Beiwerk, das die Illusion nährt, das ganze System wäre aufrechtzuerhalten, wenn man nur einige Etiketten verändert. Zunächst muss jedoch die Grundsatzentscheidung fallen, welchen Aufwand jeder einzelne Österreicher während seiner produktiven Jahre für seine Altersversorgung treiben will. Wenn er nach 30 Jahren Berufstätigkeit weitere 30 Jahre bei etwa gleichem Lebensstandard einen "wohlverdienten" Lebensabend geniessen will, muss mindestens die Hälfte seines Einkommens für diesen Zweck reserviert werden. Von dieser Fragestellung ausgehend müsste dann, allenfalls durch Volksabstimmung, ein Rahmen gesteckt werden, wie die Mehrheit ihr Pensionsalter zu planen und zu finanzieren wünscht. Wenn dieser Rahmen feststeht, kann nach dem einfachsten kostengünstigsten Verwaltungssystem gesucht werden. Alles andere, z.B. die Verschiebung einzelner Beitragslasten aus dem Sozialbudget zum Familienlastenausgleichsfonds oder zum Bundesheer, ist derzeit reine Augenauswischerei, um von den Grundsatzproblemen abzulenken und die bittere Pille einer wirklichen Pensionsreform weiter zu vermeiden.

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