Akademie für Arbeitsmedizin zu Vorstoß der Bekleidungsindustrie:

Vorschlag zeugt von Unkenntnis der arbeitsmedizinischen Aufgabenstellung

Wien (OTS) - Arbeitsmedizin ist mehr als Unfallverhütung -Unternehmen vergeben Chance, durch arbeitsmedizinische Beratung Mitarbeiterressourcen optimal zu nutzen und die Produktivität zu erhöhen.

"Der Vorstoß des Fachverbands der Bekleidungsindustrie zeugt von profunder Unkenntnis der Aufgaben eines Arbeitsmediziners im Betrieb und offenbart ein kurzsichtiges, längst überholtes Managementdenken, das den Wert der Mitarbeiter für das Unternehmen nicht erkennt", kritisiert die Geschäftsführerin der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin, Mag. Brigitte John-Reiter, die Aussagen des Geschäftsführers des FV Bekleidungsindustrie. Dieser hatte Ende letzter Woche gefordert, die Einsatzzeiten von Arbeitsmedizinern in Unternehmen "mit geringer Unfallgefahr" um ein Drittel zu reduzieren.

"Moderne Arbeitsmedizin", so John-Reiter, "beschränkt sich nicht auf die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten. Ein qualifizierter Arbeitsmediziner - vom Unternehmensmanagement mit den entsprechenden Kompetenzen versehen - erkennt gesundheits- und leistungsrelevante Faktoren im betrieblichen Geschehen, entwickelt Verbesserungsmaßnahmen und klärt individuelle Gesundheitsstörungen hinsichtlich ihrer arbeitsbedingten Ursachen ab - steigert also die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter und die Produktivität eines Betriebes. Mit einem Wort: Er leistet echte Unternehmensberatung."

Für John-Reiter macht die Haltung des FV Bekleidungsindustrie die Versäumnisse der vergangenen Jahre deutlich. Es sei zwar viel über Kosten und Einsatzzeiten diskutiert worden, aber nicht über Inhalte und Aufgabenstellungen der Arbeitsmedizin. "Welchen Nutzen die Wirtschaft von effizienter Arbeitsmedizin haben kann, wurde nicht bedacht. Geschweige denn, dass die Inhalte der Arbeitsmedizin einer breiten Öffentlichkeit nahe gebracht wurden."

Massive Kritik übt die Geschäftsführerin der führenden österreichischen Ausbildungsstätte für Arbeitsmediziner auch an der falschen Argumentation der Wirtschaftskammer: "Bei der Angabe der Kosten für einen Betriebsarzt haben sich die Wirtschaftskammer-Mathematiker offenbar etwas vertan. Der durchschnittliche Kostenaufwand für den Arbeitsmediziner beträgt nicht - wie fälschlicherweise angegeben - 0,5% bis 0,8%, sondern lediglich ca. ein Tausendstel der Lohnsumme - ein Tausendstel für die Erhaltung und Förderung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter!"

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