Stellt Kärntens Landeshauptmann-Stv. Reichhold Wirtschaftlichkeit vor Gesundheit der Bauarbeiter?

Öffentlicher Auftraggeber darf durch Verschärfung des Termindrucks nicht Unfall- und Gesundheitsrisiken für BauarbeiterInnen erhöhen

Wien (GBH/ÖGB) ”Es ist ungeheuerlich, dass nun auch öffentliche Auftraggeber massiv dazu beitragen, den Arbeitsdruck auf BauarbeiterInnen zu erhöhen”, stellte heute Morgen der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz und ÖGB-Vizepräsident, Johann Driemer, anlässlich der gestern in der "Neuen Kronenzeitung" wiedergegebenen Aussage des Kärntner Verkehrs- und Straßenbaureferenten LH-Stv. Mathias Reichhold mit Empörung fest.++++

Gerade die BauarbeiterInnen wurden durch die am 7. Juni im Nationalrat beschlossenen Belastungen der Regierungsmehrheit schwerst getroffen. Obwohl die meisten dieser Berufsgruppe keine Durchbeschäftigung während eines Kalenderjahres erreichen, steht ihnen in Zukunft ein voller Urlaubsanspruch statt mit 46 erst mit 47/48 Anwartschaftswochen zu. Die Streichung der Pension wegen geminderter Erwerbsfähigkeit trifft die BauarbeiterInnen, die unter härtesten Bedingungen arbeiten müssen, in gleicher Weise auf das Schwerste.

Der auf Initiative von LH-Stv. Reichhold abgehaltene ”Baustellengipfel” in der Kärntner Landesregierung vereinbarte eine radikale Verkürzung der Bauzeit auf der Südautobahn bei Androhung von Pönalezahlungen für Bauzeitüberschreitungen. Eine Verkürzung der Bauzeit bedeutet jedoch für die betroffenen ArbeitnehmerInnen eine unmenschliche Erhöhung des Arbeitsdruckes und damit enorme zusätzliche gesundheitliche Belastungen und Unfallrisiken.

Verschärft wird diese Situation dadurch, dass einerseits hohe Überstundenleistungen von den ArbeitnehmerInnen gefordert werden, und andererseits eine Vielzahl von BauarbeiterInnen früher in die Arbeitslosigkeit geschickt wird, wenn keine ausreichenden Anschlussprojekte vorhanden sind.

Deutlich hob Vorsitzender Driemer hervor: ”Auch die Gewerkschaft Bau - Holz hat größtes Interesse an einer möglichst raschen Beseitigung von Verkehrsbehinderungen und Unfallgefahren im Straßenverkehr. Es kann aber doch nicht angehen, Aspekte der Verkehrssicherheit durch Sicherheitsgefährdungen von ArbeitnehmerInnen erzielen zu wollen. Für uns ist es nicht akzeptabel, dass Verzögerungen beim Baubeginn durch verstärkten Druck auf die ausführenden Firmen, der dann voll auf die ArbeitnehmerInnen weitergegeben wird, ausgeglichen werden sollen.”

Driemer abschließend: ”Sehr geehrter Herr Landeshauptmann-Stellvertreter Reichhold, ich ersuche Sie, Ihre Position zu überdenken. Besondere Gefahren für die ArbeitnehmerInnen gehen, wie die von der Gewerkschaft Bau-Holz in Auftrag gegebene Studie "Muss Arbeit die Gesundheit kosten?" beweist, von Stressbelastung aus. Eine Verkürzung der Bauzeit wirkt für die ArbeitnehmerInnen am Bau also gänzlich kontraproduktiv.”

ÖGB, 21. Juni 2000
Nr. 528

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Presse- und Öfffentlichkeitsarbeit
Mag. Otto Morawek
Telefon: (01) 401 47/246 DW oder 0664/25 60 492

Gewerkschaft Bau-Holz

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB/NGB