Neue europaweite Studie über die Einstellung von Schizophrenie-Betroffenen zur Behandlung

Schizophrenie-Patienten nach wie vor nicht optimal behandelt

Brüssel/Wien (OTS) - Mehr als 70 Prozent der von schizophrenen Störungen Betroffenen erhalten nach wie vor veraltete Medikamente. Bei zwei Dritteln der Patienten sind die Nebenwirkungen schwerwiegender als die Krankheitssymptome. Die Folgen sind häufig ein Abbruch der Medikamenteneinnahme und Rückfälle. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue europaweite Untersuchung, die heute in Brüssel vorgestellt wurde.

Bei der Entwicklung der Therapiemethoden für schizophrene Störungen und der entsprechenden Medikamente hat sich in den letzten Jahren viel getan. Hatten die antipsychotischen Medikamente früherer Generationen noch schwerste Nebenwirkungen, so werden die modernen Präparate, die so genannten atypischen Antipsychotika, sehr gut vertragen. Doch noch immer erhalten zu wenige Patienten diese neuen Medikamente. Eine in neun europäischen Ländern durchgeführte Studie (1), die heute im Europäischen Parlament in Brüssel vorgestellt wurde, hat ergeben, dass nur knapp ein Drittel der Betroffenen in den Genuss moderner Behandlungsmethoden kommt. Mehr als 70 Prozent der Patienten erhalten noch immer die veralteten Medikamente - mit dramatischen Folgen: In vielen Fällen brechen die Patienten die Therapie auf Grund der starken Nebenwirkungen ab. Das führt zu einer Verschlechterung der Krankheit, mehr Psychiatrie-Einweisungen, mehr Leid für Betroffene und Angehörige und mehr Kosten für die Gesellschaft.

Die Sicht der Betroffenen

Einer vor einem Jahr durchgeführten Studie (2) über die Einstellung von Psychiatern zur Behandlung von schizophrenen Störungen werden mit der jetzt vorliegenden Untersuchung die Erfahrungen der Patienten gegenüber gestellt. Befragt wurden 450 Patienten aus neun europäischen Ländern. Mitglieder des Europäischen Parlaments, Psychiater und Patientenvereinigungen trafen sich heute in Brüssel, um die Bedeutung der Erfahrungen von Betroffenen und die Notwendigkeit einer deutlich erhöhten Verschreibung von modernen, atypischen Antipsychotika zu betonen. "Der Verlauf der Erkrankung hängt entscheidend davon ab, ob die heute als wirksam bekannten Therapieformen zum Einsatz kommen", erklärt Univ.-Prof. Dr. Heinz Katschnig, Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie in Wien.

75 Prozent der Patienten sind der aktuellen Untersuchung zufolge überzeugt, dass die modernen Medikamente gegenüber den klassischen es ermöglichen, ein weitgehend eigenständiges Leben zu führen. Patienten, die mit atypischen Antipsychotika behandelt werden, müssen darüber hinaus nur mehr halb so lange stationär behandelt werden, wie Betroffene, die auf die früher gängigen Antipsychotika eingestellt sind.

"Über drei bis vier Jahre hinweg bin ich mit Selbstmordgedanken eingeschlafen und mit Selbstmordgedanken aufgewacht", beschreibt Christian Horvath seine Erfahrungen mit der Krankheit. "Die Therapie jedoch, eine Kombination aus Medikation und Gesprächstherapie, hat mir geholfen."

Die Untersuchung zeigt auch, dass Psychiater ihre Patienten erst nach durchschnittlich 5,7 Jahren von den klassischen, so genannten typischen, auf die neuen, atypischen Medikamente umstellten. Mehr als die Hälfte dieser Patienten haben die schweren Beeinträchtigungen durch die typischen Medikamente wie Muskelkrämpfe und unkontrollierbare, parkinsonähnliche Bewegungen erlebt. Diese Nebenwirkungen können dauerhaft sein, auch wenn die Behandlung beendet wird. Stigmatisierung und Ausschluss aus dem öffentlichen Leben sind dann oft nicht Folge der Krankheit, sondern Folge einer nicht zeitgemäßen Therapie.

Deutlicher Rückgang von Symptomen wie Wahn und Halluzinationen

Die so genannten positiven Symptome schizophrener Störungen, wie Wahn und Halluzinationen, gehen mit Hilfe der neuen Behandlungsmethoden deutlich zurück. 78 Prozent der Betroffenen sehen den Rückgang positiver Symptome als zentrales Kriterium für den Erfolg medikamentöser Behandlung, wovon 68 Prozent der Ansicht sind, dass diese Symptome mit den neuen Medikamenten besser zu behandeln sind als mit den klassischen. Wie die genannte Studie der Befragung von rund 700 europäischen Psychiatern über Behandlungsmethoden schizophrener Störungen belegt, sind auch 88 Prozent der Psychiater überzeugt, dass die modernen Medikamente die Krankheit besonders erfolgreich behandeln können und die Kontrollierbarkeit der positiven Symptome einer der wichtigsten Faktoren der neuen Behandlungsmethoden ist. 83 Prozent der befragten Psychiater würden Familienangehörigen die Atypika verschreiben.

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in Brüssel können Sie auch www.schizophrenia-patients.com entnehmen

Fußnoten: (1) Werden Schizophrenie-Patienten optimal behandelt?
Die Sicht der Betroffenen. Eine Befragung von 450 Patienten in neun
europäischen Ländern, durchgeführt von Martin Hamblin von 6. März bis
11. Mai 2000, und unterstützt von Fa. Eli Lilly.

(2) Werden Schizophrenie-Patienten optimal behandelt? Eine Befragung
von 686 Psychiatern in neun europäischen Ländern, durchgeführt von
Martin Hamblin von 17. Februar bis 3. März, und unterstützt von Fa.
Eli Lilly.

Mag. Ingrid Ladner
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