"Neue Zeit" Kommentar: "Fehlstart" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 21. 6. 2000

Graz (OTS) - Noch vor wenigen Wochen hat die steirische SPÖ-Spitze stolz das Ergebnis ihrer Mitgliederbefragung präsentiert, bei der sich Tausende Menschen zur Mitarbeit bereit erklärt hatten. Jetzt hat dieselbe Partei Mitarbeitern Briefe zukommen lassen, in denen um Vermerke über die politische Gesinnung von Nachbarn gebeten wurde. Noch dazu in einer, gelinde gesagt, höchst ungeschickten Diktion.

Hätte man statt Brieferl zu schreiben nicht auf jene Tausenden Menschen, die mitarbeiten wollen, zurückgreifen können und hätten diese nicht einfach mit ihren Nachbarn reden können? Die SPÖ war immer stolz darauf, eine sehr kommunikative Partei zu sein, die zu den Leuten geht. Eine politische Kultur, die anscheinend in so manchem Parteisekretariat längst abhanden gekommen ist. Ein gleich lautenmder Brief an Tausend Mitarbeiter statt ebenso vieler Einzelgespräche scheint der einfachere Weg zu sein. Scheint aber nur, denn jetzt hat die SPÖ das genaue Gegenteil von dem erreicht, was sie wollte. Am Beginn des Wahlkampfes für die Landtagswahl, wenige Tage vor dem eigenen Parteitag wurde aus der geplanten Motivation Demotivation der Basis.

Nicht zuletzt auch deshalb, weil die politischen Gegner aus der Unbedarftheit der SPÖ einen Skandal gemacht haben. Der Staatsanwalt wurde eingeschaltet, ein Misstrauensantrag gegen SP-Chef Peter Schachner im Landtag eingebracht. Der SPÖ ist es gelungen, mit einem einzigen Brief die Wahlkampf-Maschine ihrer politischen Gegner zu starten.

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