Osteoporose: Therapie kommt meist zu spät und zu spärlich

Internationale Studie zeigt gravierende Mängel bei der rechtzeitigen Erkennung und Behandlung des Knochenschwundes auf.

Chicago/Wien (OTS) - Knochenschwund bei Frauen nach der Menopause wird noch immer nicht frühzeitig genug bekämpft, um osteoporosebedingte Knochenbrüche zu verhindern. Das ist das Ergebnis einer aktuellen internationalen Studie, die von der International Osteoporosis Foundation (IOF) durchgeführt und heute auf dem Weltkongress für Osteoporose in Chicago vorgestellt wurde. Verantwortlich dafür seien zum einen die Mediziner, die den Frauen die Risiken der Osteoporose nicht ausreichend verdeutlichen und oft erst zu spät die geeignete Medikation verschreiben würden, meinen die Studienautoren. Zum anderen würden aber auch viele Frauen aus einer unbegründeten Furcht vor Nebenwirkungen auf wirksame Medikamente verzichten.

Sorglose Frauen. "Obwohl fast hundert Prozent der Ärzte und der Frauen wissen, dass Osteoporose eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit darstellt, bleibt den Frauen auch nach dem Arztgespräch das persönliche Risiko der Erkrankung vielfach unklar", erklärt IOF-Präsident Pierre Delmas. "Daher unternehmen diese Frauen sehr wenig, um die Gesundheit ihrer Knochen zu schützen."

Jede zweite Frau nach der Menopause leidet im Laufe des Lebens an Osteoporose, wie Studien zeigen. Doch immerhin 85 Prozent der Frauen glauben, dass sie persönlich nicht dieser Risikogruppe angehören würden. Sogar von jenen Frauen, die bereits an Knochenschwund leiden, gaben 80 Prozent an, dass sie vor Beginn der Erkrankung nichts über ihre Risikofaktoren gewusst hätten. Und ein ganzes Drittel dieser Betroffenen berichtete, dass sie zur Zeit keinerlei Medikamente zur Vorbeugung von osteoporosebedingten Knochenbrüchen nehmen würden. Und das, obwohl sich mehr als 80 Prozent dieser Frauen durch die Erkrankung bereits in ihrer Lebensqualität und Mobilität eingeschränkt fühlen und über Schmerzen berichten.

Zurückhaltende Ärzte. Aber auch auf Seiten der Mediziner zeigten sich große Defizite. So gaben zwar über 95 Prozent der Ärzte an, dass ihrer Meinung nach gerade die Vorbeugung der ersten Knochenfrakturen besonders wichtig sei. Doch nur zwei Prozent der Frauen, die mit ihren Ärzten über Osteoporose gesprochen hatten, erklärten, dass sie dabei von konkreten Medikationsmöglichkeiten geredet hätten. Viele Ärzte, so die Studienautoren, würden ihre Patientinnen erst auf Osteoporose untersuchen und Medikamente dagegen verschreiben, wenn bereits ein Knochenbruch aufgetreten sei. So gaben etwa 80 Prozent der befragten Ärzte an, dass eine ideale Kandidatin für die Verschreibung von Osteoporose-Medikamenten eine Frau wäre, die bereits eine Fraktur eines Wirbelkörpers erlitten hat.

Ein Hindernis für eine effizientere Prävention ist nach Ansicht der Ärzte aber auch ein Mangel an Diagnose-Einrichtungen zur Feststellung der Knochendichte. Darüber hinaus meinen die Mediziner, dass sie von den Frauen erst zu spät konsultiert würden.

Therapie. 60 Prozent der Ärzte gaben an, dass viele ihrer Patientinnen vorbeugende Medikamente nicht einnehmen wollten aus Angst vor langfristigen Nebenwirkungen. Doch für die meisten Frauen würden die Vorteile der Osteoporose-Medikamente die Risiken weit überwiegen, erklärt Ethel Siris, Medizinerin am College of Physicians and Surgeons of Columbia University. "Die unbegründete Furcht vor Nebenwirkungen sollte die Frauen nicht daran hindern, den erforderlichen Schutz vor Knochen-Frakturen zu erhalten, den sie brauchen könnten", meint Siris. Hier liege die Verantwortung der Mediziner, denn diese müssten die Patientinnen über die Langzeit-Folgen der Osteoporose aufklären. Siris: "Die besten Osteoporose-Medikamente für Frauen sind solche, die nicht nur wirksam und sicher sind, sondern auch über lange Zeit eingenommen werden. Das ist entscheidend, um die Knochenmasse zu erhalten und Brüche zu vermeiden."

Sowohl die Frauen als auch die Gesundheitsversorger und die staatlichen Gesundheitsbehörden müssten den Knochenschwund zu einem ihrer wichtigsten Anliegen machen, erklärt Mary Anderson, Geschäftsführerin der IOF. "Das Minimieren des Risikos für Knochenbrüche wird zu weniger Spitalsaufenthalten von Frauen nach der Menopause führen und die langfristigen Kosten verringern, die mit Osteoporose verbunden sind." Die Betreuungskosten von Osteoporose-Patienten in Europa und in den USA werden derzeit auf rund 380 Milliarden Schilling geschätzt.

Details zur Studie gibt es auch unter www.osteofound.org

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