Schaschl folgt Helbich als Vorsteher des FV Stein-Keramik

Neue Verbandsführung fordert eine rasche Harmonisierung der Vorschriften für Raumordnung, Bautechnik und Naturschutz

Wien (PWK) - Nach dreieinhalb Jahrzehnten übergibt Senator Ing. Leopold Helbich die Funktion des Fachverbandsvorstehers der Stein-und keramischen Industrie an KR DDr. Erhard Schaschl, Generaldirektor der Wienerberger Baustoffindustrie AG. Mit Schaschl konnte einer der profiliertesten Topmanager der österreichischen Wirtschaft für diese Position gewonnen werden. In der Verbandsarbeit wird er unterstützt von seinen Stellvertretern KR Friedrich Schmid, Chef der Industrieholding Schmid mit den Firmen Baumit, Wopfinger, Murexin und Austrotherm, und DI Dr. Bernd Wolschner, Vorstand der SW Umwelttechnik Stoiser & Wolschner AG. Als dritter Stellvertreter wurde Bergrat h.c. Dr. Klaus Moldan, Geschäftsführer der Moldan Bauprodukte, in das Präsidium kooptiert.

Anlässlich der "Hofübergabe" würdigte Schaschl den scheidenden Fachverbands-Vorsteher als herausragenden Vertreter der Sozialpartnerschaft, der es stets als seine Aufgabe ansah, einen Ausgleich zwischen den Antipoden Arbeit und Kapital herzustellen. Helbich konnte in den 35 Jahren an der Spitze des Verbandes die Rahmenbedingungen für die Betriebe entscheidend verbessern. Bereits Mitte der achtziger Jahre erkannte Helbich, dass der Zugang der Stein- und keramischen Industrie zu den heimischen Bodenschätzen eine entscheidende Voraussetzung für die klein- und mittelständisch strukturierte Branche ist. Seitdem ist das Problem der Rohstoffsicherung ein zentrales Thema der Verbandsarbeit, was im Ringen um das neue Mineralrohstoff-Gesetz und der Problematik rund um die Flächenwidmung für Natura 2000 einen vorläufigen Höhepunkt fand.

Schaschl skizzierte bei dieser Gelegenheit die Eckpfeiler seiner künftigen Verbandsarbeit für die Stein- und keramische Industrie, deren Situation zur Zeit alles andere als rosig ist. Während das BIP heuer laut WIFO über 3% wachsen wird und die Sachgüterproduktion sogar um 5% zulegen kann, dürfte die reale Bauproduktion voraussichtlich nur um 1% steigen. Dämpfend wirkt vor allem die Schwäche beim Wohnungsneubau, der angesichts der Überkapazitäten sowohl heuer als auch in den nächsten zwei Jahren rückläufig sein wird. "Wir können froh sein, wenn wir das Jahr 2000 mit einer schwarzen Null abschließen ", so Schaschl. Sorgen bereiten dem neuen Fachverbandsvorsteher die im Vergleich zu anderen europäischen Mitbewerbern extrem hohen Kosten für Primärenergie und die restriktive Rohstoffpolitik in Österreich. Um die schwierige Marktsituation auszugleichen, will Schaschl vor allem bei den Rahmenbedingungen für die Unternehmen ansetzen und die Kostenseite besser in den Griff bekommen. So fordert der Fachverband u.a. eine umfassende Bundesstaatsreform, um die Rechtsvorschriften für die Bereiche Raumordnung, Naturschutz und Bautechnik zu harmonisieren. "Im zehnmal größeren Deutschland gibt es nur eine Musterbauordnung und nur ein Naturschutzgesetz. Dass wir in Österreich alles neunmal erfinden und bei jedem neuen Bauprojekt eine sündteure Bürokratielawine lostreten, ist schlichtweg verantwortungslos angesichts der dramatischen Budgetsituation", sagte Schaschl. Alleine mit einer Vereinheitlichung der bautechnischen Vorschriften könnten 25% der Baukosten eingespart werden.

Eine klare Absage erteilt Schaschl auch allen einseitigen Förderungen bestimmter Bauformen aus Steuergeldern. Um ihre Holzüberschüsse abzubauen, haben einige Bundesländer die technischen Bauvorschriften derart "holzfreundlich" novelliert, dass der Markt nicht nur im Ein-und Zweifamilienhausbau, sondern auch beim Mehrgeschossbau völlig aus den Fugen geraten ist. "Wir fordern Chancengleichheit. Wenn schon mit Steuergeldern gefördert wird, dann müssen alle Bauformen den gleichen objektiven Kriterien unterliegen, egal ob ein bestimmter Baustoff gerade im Überfluss vorhanden ist oder nicht", verlangt Schaschl.

In diesem Zusammenhang begrüßte der Fachverband die Bereitschaft von Wirtschaftsminister Bartenstein, nach langen Jahren des Zögerns und Zauderns seiner Vorgänger endlich über eine Musterbauordnung zu verhandeln. Die Vorgangsweise sei jedoch mehr als skurril. "Eine Musterbauordnung nur mit dem Institut für Bautechnik zu diskutieren, ohne die Industrie einzubinden ist absolut kontraproduktiv. Was da geboren wird, kann nur bürokratisch, praxisfern und teuer sein", ärgert sich Schaschl. Stark machen will er sich hingegen für eine weitreichende Revision der österreichischen Kartellgesetze, die der raschen Globalisierung der Wirtschaft nicht mehr gewachsen sind. Während kleine und mittlere Unternehmen, die sich zu Arbeitsgemeinschaften zusammentun, immer öfter in den Verdacht der Absprachen geraten, können kapitalstarke Großunternehmen ungeniert diversifizieren, unliebsame Konkurrenten aufkaufen oder mit ihnen fusionieren. "Hier wird nicht nur mit zweierlei Maß gemessen, sondern auch der Wettbewerb massiv verzerrt", ist Schaschl überzeugt. (MH)

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