WirtschaftsBlatt über die Burgenland-Bank Das Image der österreichischen Banken erhält weiteren Kratzer von Günter Fritz

Ausgabe vom 20.6.2000

Wien (OTS) - Die Affäre rund um die Bank Burgenland wächst sich zu einem veritablen Skandal aus: Der mutmassliche bolivianische Milliardenbetrüger Gualterio Alejandro Hom-Rusch alias Walter Alexander Thom hat es geschafft, dem Kreditinstitut 2,35 Milliarden Schilling Schaden zuzufügen. Indem er Bilanzgutachten fälschte, Wirtschaftsprüfungen vortäuschte, Unterlagen über Sicherheiten manipulierte und unrichtige Gutachten über den Wert von Grundstücken vorlegte, lockte er dem Ex-General der Bank Burgenland, Ernst Gassner, für seine Howe-Baugruppe jahrelang einen Kredit nach dem anderen heraus. Gassner, mittlerweile selbst im Visier der Justiz, hat laut eigener Aussage nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und fühlt sich von Hom-Rusch alias Thom böswillig getäuscht. Dennoch drängt sich dem unbeteiligten Beobachter der Eindruck der Fahrlässigkeit geradezu auf: Nicht nur, dass die mehrheitlich im Eigentum des Landes und der Bank Austria befindliche Bank Hinweise der Opposition ignorierte, hat sie sich auch nicht über vorliegende Pfändungsanträge gegen Howe informiert. Der Vorstand der Bank, dessen Aufsichtsrat und auch die zugezogenen Wirtschaffssprüfer sind offensichtlich ihrer Kontroll- bzw. Aufsichtspflicht nur ungenügend nachgekommen. Ob Entscheidungen bzw. Nicht-Entscheidungen zu den Vorwürfen gegenüber der Bank Burgenland politisch motiviert gewesen sein mögen oder nicht, bleibt dahingestellt. Dass SP-Landeschef Karl Stix als oberster Eigentümervertreter jetzt in die Pflicht genommen wird, ist nur logisch. Er ist persönlich gefordert, dafür zu sorgen, dass die Bank Burgenland nicht Pleite geht und dass die Affäre lückenlos und ohne Schonung aufgeklärt wird. Gleiches gilt für Burgenlands VP-Chef Gerhard Jellasitz, der über Ungereimtheiten informiert war und der einen Vertrauensmann im Bank-Vorstand sitzen hatte. Das ohnehin angekratzte Image der österreichischen Banken, was Wertberichtigungen bei Krediten betrifft, wird durch diese Affäre zweifellos weiter Schaden nehmen - und dass der Glaube an die Integrität der Politik nicht ganz verloren geht, hängt ebenfalls an einem seidenen Faden. gf

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