"Exil für Milosevic" (von Irene Miller)

Ausgabe vom 20.6.2000

Spekulationen sind taxfrei - und meist auch ohne moralische Bremsen. Dennoch weckt die Leichtigkeit Befremden, mit der amerikanische Zeitungen und vielleicht auch US-Regierungsbeamte bis hin zum Präsidenten darüber spekulieren, Kriegsverbrechern Brücken in ein süßes und wohlgepolstertes Exil zu bauen. Wenn Bill Clinton tatsächlich meint, er könne Jugoslawiens Präsident Slobodan Milosevic Straffreiheit zusichern, dann sollte die internationale Gemeinschaft nachdrücklich Einspruch erheben.
Gegen Milosevic wurde Anklage wegen Kriegsverbrechen erhoben, von einem UN-Tribunal, das nicht den politischen Opportunitätserwägungen der USA zu gehorchen hat. Allein zu überlegen, ein solches Verfahren zu unterdrücken, untergräbt die Idee der internationalen Gerichtsbarkeit. Und es ignoriert das Leiden all jener, die den von Milosevic befohlenen oder geduldeten Verbrechen zum Opfer gefallen sind.

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