Görg: Wien hat Telekommunikationspotenzial für sich erkannt

Wien, (OTS) "Wien hat sich in den letzten Jahren intensiv mit seinen Zukunfts-Ressourcen und Möglichkeiten auseinander gesetzt. Dabei hat man erkannt, dass die Stadt im Bereich der
Datenverwaltung ein ungeheures Kapital besitzt, das jahrzehntelang brachlag und das, wenn es nur richtig eingesetzt und genutzt wird, einen immensen Beitrag zur Lebensqualität der Wienerinnen und Wiener darstellen kann," mit diesen Worten eröffnete am Montag im Wiener Rathaus Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg die TeleCities Konferenz bei der Regierungs-Vertreter aus ganz Europa bis
Dienstag zum Thema "eGovernment & eCommerce" tagen werden.

Wie enorm wichtig und wertvoll dieses Rollenverständnis bei der Implementierung von Internet- und computergestützten Daten-Programmen sei, wäre spätestens seit der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft im Sommer 1998 bekannt, so Vizebürgermeister Görg. Damals wäre Wien nämlich u.a. auch im Internet-Fokus der internationalen Medien gewesen und wurde speziell im Zusammenhang mit der Wien-Online-Internet-Homepage und den angebotenen Verwaltungs-Online-Diensten im internationalen Spitzenfeld positioniert.

Wien-Online bzw. www.wien.at/ umfasst rund 6500 Seiten Information und Interaktivität. Wien-Online ist eine state of the art-Darstellung und Präsentation der Leistungen der Stadt Wien sowie deren Geschäftsgruppen und Magistratsabteilungen und bewegt sich abseits typischer Tourismus-Werbung und
Veranstaltungskalender. Im Schnitt verzeichnet www.wien.at/ pro Monat rund 5 Millionen Zugriffe und rund 17 Millionen Hits. Vor
zwei Jahren wurde Wien-Online unter dem Aspekt "was will und
braucht die Wienerin/der Wiener von seiner Stadt" redesigned.****

Das neue Konzept habe sich bewährt und ohne Übertreibung könnte gesagt werden, dass hier dem bereits erwähnten international akklamierten Standard professionell entsprochen
wird. "Mein persönliches Ziel ist aber noch nicht erreicht: meine Stadt der Zukunft arbeitet speziell was den Dienstleistungssektor
im direkten Verwaltungsbereich anlangt - also wenn es um Amtswegeersparnis für den Bürger/die Bürgerin geht - zu 2/3 virtuell, sprich also interaktiv. Gebührenpflichtige Anträge und Dokumente sollten meiner Meinung nach auch online erledigt werden können - in den Vereinigten Staaten und Canada gehört das teilweise bereits zum Standard des Amts-Alltagslebens - bei uns
gibt es diese Möglichkeit zurzeit nur im nicht-gebührenpflichtigen Bereich. Aber wir arbeiten daran," sagte Vizebürgermeister Görg.

Was war also das Wesentliche des Step-by-step-Programmes, das die Stadt zur Erlangung dieser ambitionierten Ziele in Angriff nahmen? Es war die Kombination von zwei Komponenten: 1. Der Datenbereiniung und 2. Der Daten-Aufbereitung. Vieles, das also zunächst in mühseliger Kleinarbeit von datengeschützten Informationen bereinigt wurde, musste danach von seinem Fachchinesisch befreit und mundgerecht aufbereitet werden. In der Zwischenzeit habe die zuständige Abteilung - die MA 14 (ADV) -
neue Anwendungen und Programme immer unter dem Aspekt zu
erarbeiten und zu installieren, dass früher oder später alles einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden könnte.

Initiativen und Perspektiven

Im Rathaus-Multimedia-Wien-Bereich, so der Vizebürgermeister weiter, habe sich speziell während der letzten drei Jahre viel getan. Vor zwei Jahren wurde mit den Vienna Access Point - dem elektronischen Amtswegeverkürzer - eine kleine, stille Revolution im Rathaus präsentiert. Es ist ein von der Stadt Wien gemeinsam
mit zwei privaten Computer- und Softwareherstellern entwickelter "bürgerfreundlicher" Terminal, der beinahe alles kann. Der "Access Point" reagiert auf Sprache, kann durch Berühren des Bildschirmes für jemanden Anträge stellen, nimmt zu jeder Tages- und Nachtzeit Anregungen, Wünsche und Beschwerden per e-mail an und leitet sie direkt an Dienststellen im Magistrat der Stadt Wien oder an die zuständigen Politikerinnen und Politiker weiter. Der Access Point spart so vielen Wienerinnen und Wienern Amtswege. Außerdem kann
man von ihm mit einzelnen Servicestellen der Stadt Wien
telefonieren und, und daran arbeitet die Stadt gerade, er kann
auch kostenpflichtige Anträge (z.B. Parkpickerl, Staatsbürgerschaftsnachweis, Hundesteuer, etc.) per (e-Cash)-Knopfdruck erledigen. All jene, die privat keinen Zugang zum Internet haben - und in Wien sind das immerhin drei Viertel der
rund 1,7 Mio. Einwohner - bekommen so die Chance, ihre Ämtererledigungen praktisch über die Straße und zu jeder x-beliebigen Zeit durchführen zu können. Für den ektronischen Amtswegeverkürzer "Access Point" hat Wien auch zwei internationale Preise, nämlich den Cebit-Preis und den European-IT-Award Winner, verliehen bekommen. "Dass wir hier in der Superliga der bürgerfreundlichen Technologieanwendungen im Verwaltungsbereich arbeiten, hat uns das große, unumwundene Interesse von internationalen Computerherstellern gezeigt, die sich in unsere Weiterentwicklung des Access Points einklinken wollen," so Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg.

Aber auch im Bereich der einfachen Karten und vektorisierten Mehrzweckkarten, jener Bereich also, der die Stadt karthographisch auf Punkt und Beistrich genau erfasst, wurden eine Reihe von Initiativen gesetzt. Seit November 1997 z.B. werden GIS-Karten
(GIS - grafisches Informationssystem) virtuell zum Verkauf
angeboten - der Grafik-Shop ein Teil von Wien Online ermöglicht
das Herunterladen von Straßen- und Grundstückskarten in einer Freytag und Berndt-Qualität, in verschiedenen Maßstäben, zur kommerziellen Nutzung (Hotels, Geschäfte, aber auch
Zivilingenieure etc.) - kein Plagen mehr mit Copyrights - kein umständliches aufs Amt gehen.....Gegen ein Entgelt von 100.- öS kann man online ein Stück der Stadt als Karte in Spitzenauflösungsqualität herunterladen.

In diesem Zusammenhang wird gerade daran gearbeitet, eine vektorisierte Mehrzweckkarte per Internet-Homeshopping zur Verfügung zu stellen - sie ist derzeit noch Zukunftsmusik, wird aber sobald die e-Cash-Frage in Wien gelöst ist, für den Zivilingenieur, den Konsulenten, den Architekten eine unheimliche Berufserleichterung sein. Derzeit muss von der Stadt Wien ein genauer Lageplan über ein bestimmtes Grundstück per Amtsweg angefordert werden - innerhalb dieses Jahres - so hofft Görg -
wird ein Architekt gegen Kreditkarten-Verrechnung (Mehrzweckkarten kosten natürlich aufgrund der Datendichte um einiges mehr) per Knopfdruck den Plan mit allen baurechtlichen Bestimmungen direkt
zu Hause von seinem Computer herunterladen können.
Es wird dann zum Beispiel auch möglich sein, sich an irgendeinem Punkt per Computer in der Stadt einzuklinken und von der Beschaffenheit des Straßenbelages (also ob Kopfsteinpflaster oder Beton) bis zu dortigen Einbauten (Kanaldeckel, Hydrant) alles zu erfahren - natürlich ist da eine Menge an Information dabei, die dem Datenschutz unterliegt, man arbeitet aber daran, auch hier ein bürgerfreundliches Service anzubieten.

Und noch eine Neuerung sei nennenswert: alle aktuellen Flächenwidmungs- und Bebauungspläne der Stadt können per Internet eingesehen werden. Dieses Service befindet sich übrigens im rund 300 Seiten umfassenden Wien Online-Stadtplanungs-Teil. Hier findet man u.a. aktuelle Informationen zu Planungsprojekten, zu Stadtteilen, zu Bauprojekten, aber auch banale Dinge, wie z.B.,
wie lese ich einen Plan richtig.

Und noch etwas, das indirekt zum Thema Plan lesen passt, hat Wien seit letztem Sommer anzubieten: Das elektronische Baustellenservice der Stadt Wien im Internet. Wiederum waren es
die Experten der MA 14, die einen neuartigen Internetdienst entwickelt haben, der die verkehrswirksamen Baustellen in Wien im elektronischen Stadtplan anzeigt (http:// service.wien.gv.at/baustellen/). Somit ist es möglich, einen Überblick über alle Baustellen in Wien (mit einer Baustellendauer ab einer Woche) mit einem genauen Umleitungsplan zu erhalten, und Baustellen auch bezirksweise abzufragen.

Intern arbeite man übrigens ressortübergreifend seit über zwei Jahren mit dem erweiterten Geographischen Informationssystem. Die wohl praktischste Anwendung dieses Systems gibt es für die Feuerwehr der Stadt Wien. Im Falle einer Brandmeldung lokalisiert man die Brandstelle per GIS-System, holt sich Daten über Wasserleitungen vor Ort und eventuelle Risikofaktoren im unmittelbaren Umfeld. Die Integration und Bereitstellung von unterirdischen Leitungen (Wasser, Gas, Fernwärme, Öffentliche Beleuchtung, etc.) und Hydranten, der Zugriff auf den Brückenkataster inklusive Brückenfotos sowie die Möglichkeit, die Brandschutzpläne adressbezogen abrufen zu können, hat sich oftmals als lebensrettend und Zeitersparnis erwiesen.

Der digitale Schutzzonen-Atlas - jenes Datenarchiv also, das die Stadt Wien über alle Wiener schützenswerten Bauobjekte hat -wird zwar noch intern verwendet, ist aber kurz vor der Fertigstellung und könnte ebenfalls bald aufs Netz gehen. Derzeit gibt es rund 10.000 Objekte in Wien, die aufgrund ihrer Beschaffenheit und Geschichte als "schützenswert" erachtet werden. Ziel ist es, die aktuelle Datenbank mit einer Fülle von Informationen (inkl. Fassadenfotos) so aufzubauen, dass es in Zukunft auch für interessierte Bürgerinnen und Bürger möglich ist, die Abgrenzung von Schutzzonen exakter und objektivierbarer durchzuführen. Diese Datenbank ist mit dem GIS der Stadt Wien gekoppelt.

Nach dem Motto ‘laufende Entwicklungen der Informationstechnologien mit dem neuesten Stand der Technik publikumswirksam präsentieren’ hat sich die Global Village, die jährliche e-Government-Leistungsschau der Stadt Wien, nationalen Ruf gemacht. Die Innovationspalette telematischer Anwendungsszenarien reichte von Telearbeit, TeleConferencing über HomeShopping und TeleEducation bis hin zu Electronic Banking... letztes Jahr waren Bildung und EDV in allen Ausprägungsformen thematische Schwerpunkte - heuer bei der Global Village 2000
haben wir den Schwerpunkt "Stadt mit Fernbedienung" genannt.

Dazu gehört sicherlich das Wiener-Schul-Computer-Vernetzungsprogramm, durch das rund 700 Wiener Schulen über den Provider der Stadt Wien vernetzt werden. Das Programm, das 1997/98 gestartet wurde, hat bisher 250 Computer im Netz und laufend
werden neue eingespeist.

Auch die Kooperation mit Klein- und Mittelbetrieben war Teil der diesjährigen global-village-Leistungsschau. Die relativ junge Initiative soll zukünftig kleineren Betrieben die Chance eines erleichterten Internet-Einstiegs geben - hier wurde ein Modell ins Leben gerufen, bei dem sich kleinere und mittlere Betriebe gegen einen Anerkennungsbeitrag mit ihrer eigenen Homepage ins Netz einbringen können und so konkurrenzfähiger werden.

Und noch eine Kooperation hat auch heuer international für Aufsehen gesorgt. Gemeinsam mit der Ärztekammer habe Vizebürgermeister Görg im vorigen Frühjahr ein Projekt präsentiert, dass jedem Facharzt, jedem praktischen Arzt per Internet-Zugriff ein elektronisches Ärzte-Branchenverzeichnis bietet - geht man also zum praktischen Arzt und verweist der einen an einen Facharzt in der Nähe des Arbeits- oder Wohnumfeldes, so braucht man künftig nur per Knopfdruck im Computer nachschauen, bekommt Öffnungszeiten der Ordination, Kassen und Adressangabe....

Apropos Adressangabe: Wien arbeitet gerade an einer weltweit einzigartigen Adaption des Adressortungssystems: Ziel ist es, an irgendeinem Punkt in der Stadt, ohne Angabe der nächstgelegenen Haltestelle eines öffentlichen Verkehrsmittels, per Knopfdruck die kürzeste Verbindung von Punkt A nach Punkt B sowohl für den Individual- als auch den öffentlichen Verkehr online zu eruieren. Keine EDV der Welt hat es bisher geschafft, die verschiedenen Datenlayer - nämlich eine Kombination von Adress- und Routensuchsystem und elektronischem Fahrplan der stadteigenen öffentlichen Verkehrsmitteln, in unserem Fall der Wiener Linien,
so übereinander zu legen, dass praktisch nur mit der Wohnhausadresse und der gewünschten Zieldestination, die idealste Streckenführung und kürzeste Zeitinanspruchnahme des Individualverkehrs unter Berücksichtigung von Einbahnen, etc., als auch des öffentlichen Verkehrs zu zeigen. Sollte diese Entwicklung gelingen, wäre dies eine Weltpremiere.

Vizebürgermeister Görg ging abschließend auf eine im März dieses Jahres von der Europäischen Kommission beschlossenen Initiative ein: die Initiative e-Europe, soll die Umstellung
Europas auf die Informationsgesellschaft beschleunigen und setzt
auf 10 prioritäre Bereiche, u.a. Bildungswesen, Verkehr, Gesundheitsfürsorge, Bedürfnisse von Behinderten.

Die Bewältigung des Wandels der Zeit sei eine der wichtigsten wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen, mit denen sich Europa heute konfrontiert sehe, so die Begründung der Kommission. Die Initiative e-Europe soll diesen Herausforderungen gerecht
werden und damit die Modernisierung der europäischen Wirtschaft beschleunigen, was sich positiv auf die Beschäftigungslage, die Produktivität und den sozialen Zusammenhalt auswirken wird.

"Ich glaube, all die von mir angeführten Beispiele zeigen, dass Wien den Auftrag im Verwaltungsbereich zukünftig bürgerfreundlicher, serviceorientierter und innovativer zu werden, bereits während der letzten Jahre auf seiner politischen Agenda ganz oben stehen hatte und erfüllt. Und auch die Ziele e-Wien wettbewerbsfähig, modern und urban zu halten, können auf dem bereits beschrittenen Weg ins bürgerfreundliche, digitale 21. Jahrhundert erreicht werden. So gesehen, glaube ich, dass die Initiative e-Europe durchaus unter dem Aspekt der gegenseitigen Befruchtung für Wien zu sehen ist: from e-Europe to e-Vienna and vice versa," sagte Vizebürgermeister Görg abschließend. (Schluss) lei

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