Nike Wagner attackiert ihren Onkel Wolfgang Wagner: "Macht verdirbt den Charakter."

Nike Wagner will Bayreuther Festspiele leiten und "künstlerisch interessanter" machen.

Wien (OTS) - In einem Interview mit der Zeitschrift FORMAT
befehdet die in Wien lebende Nike Wagner ihren Onkel Wolfgang Wagner sowie dessen Ehefrau Gudrun und sagt, was sie in Bayreuth selbst besser machen würde: "Es treibt mich sehr, diese Festspiele wieder künstlerisch interessanter zu machen."

- Nike Wagner über die erfolglose Sitzung des Stiftungsrates: "Man hat die Entscheidung über die Nachfolge auf Oktober vertagt, weil Wolfgang Wagner dem Stiftungsrat klar gemacht hat, daß jede Nachfolgerwahl ohne seinen Rücktritt juristisch ungültig ist. Die Situation ist vorläufig blockiert, weil der Stiftungsrat nicht damit einverstanden scheint, daß der Chef seinen Rücktritt an die Wahl seiner Gattin bindet. Ich bleibe dabei, daß es um die Sache geht, um Inhalte, um die maximal gute künstlerische Führung des Hauses. Nicht einfach um ein weiteres Abwickeln von Wagner. Es geht um die Frage:
Was müssen wir tun, damit Wagner spannend bleibt im 21. Jahrhundert?"

- Über die Gemeinsamkeiten Wolfgang Wagners mit Karajan: "Die Schwächen in der Führungsstruktur sind vergleichbar, insofern auch der alte Karajan in Salzburg nicht für seine Nachfolge gesorgt hat. Nur war Karajan ein Künstler, Wolfgang Wagner ist aber ein Verwalter, das ist ein erheblicher Unterschied."

- Über Wolfgang Wagners Inszenierungen: "Da kommen die unheilvollen Seiten des Familienbetriebes zutage: Er beruft sich auf sein ererbtes Recht, in Bayreuth auch künstlerisch tätig sein zu dürfen. Seine Inszenierungen werden aber von der ernstzumehmenden Theater- und Musikkritik seit Jahrzehnten abgelehnt."

- Über Wolfgang Wagners Ehefrau Gudrun: "Noch hat er (Anm.: Wolfgang Wagner) sie nicht durchgebracht. Ich baue durchaus auf das Vorwalten von Vernunft bei den Gremien und nicht auf das Vorwalten von Machtinteressen und Familienpolitik." Und Nike Wagner weiter: "Daß sie lange an seiner Seite im Betrieb ist, heißt nicht, daß sie etwas von Wagner versteht. Daß geistige Erneuerung von ihr ausgeht, ist ihrem Bayreuth-Konzept nicht zu entnehmen. Bayreuth hat in der Ära Wolfgang Wagner Pragmatismus und Management lange genug gehabt. Es kann nicht nur um die von der jetzigen Leitung angestrebte ,reibungslose Durchführung‘ der Spiele gehen. Kunst ist Reibung, Phantasie, Wagnis. Die interessanten Wagner-Aufführungen der letzten Jahrzehnte sind woanders gelaufen."

- Über fehlende Top-Regisseure in Bayreuth: "Die entscheidenden Wagner-Regisseure hat man versäumt in Bayreuth ? Ruth Berghaus, Robert Wilson, Herbert Wernicke und jetzt die Stuttgarter Viererbande, wo Jossi Wielerund Konwitschny dabei sind. Bayreuth meint, es genügt, berühmte Künstlernamen zusammenzuspannen. So war das mit dem ,Gesamtkunstwerk' nicht gemeint. Es erfordert dramaturgische Überlegungen. "

- Über mangelnde Kommunikation: "Er (Anm.: Wolfgang Wagner) hat systematisch die nächste Generation, nicht nur die Kinder seines Bruders, sondern auch seine eigenen Kinder aus Bayreuth hinausgedrängt. Macht verdirbt den Charakter. Vielleicht spielt auch die Sozialisation in der Hitler-Zeit eine Rolle, obwohl ich ihn niemals als Nazi verklagen würde, wie sein eigener Sohn Gottfried das tut."

- Über Wolfgang Wagners Autobiographie, und seinen "lockeren" Umgang darin mit dem Hausfreund Hitler: "Man kann aber auch schuldig werden, einfach indem man wegschaut und Verbrechen geschehen läßt. Eine Mentalität bildet sich daran. Sensiblere Geister haben, zumindest nach dem Krieg, eine Entwicklung durchgemacht. Dazu zähle ich meinen Vater Wieland Wagner. Meiner Großmutter Winifred dagegen ist es es zu verübeln, daß sie, allen Evidenzen zum Trotz, ihre positive Haltung zum Dritten Reich nie geändert hat."

- Über ihre eigenen Bayreuth-Ambitionen: "Ich hoffe es (Anm.: daß sich der Stiftungsrat für sie entscheiden wird) für Bayreuth. Es treibt mich sehr, diese Festspiele wieder künstlerisch interessant zu machen. Entweder der Stiftungsrat sieht ein, daß da oben Neuerungen unumgänglich sind, oder er plädiert für Ruhe und Ordnung. Ruhe und Ordnung sind aber wagnerfremd und kunstfremd."

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