DER STANDARD bringt in seiner Samstag-Ausgabe einen Kommentar über das Eindringen der Anti-Regierungs-Demonstranten ins Hotel Marriott anlässlich der volkswirtschaftlichen Tagung der

Nationalbank am Donnerstag Abend:

Erschienen:17.06.2000
Gewalt? Nein danke.

Gerfried Sperl =

Wien (OTS) - Schauplatz Hotel Marriott am Donnerstagabend. Ein Hauch von 60er-Jahre strömte über das Buffet des "Establishments". Aber nichts wurde beschädigt, es ist nicht wirklich was passiert, wenn man vom verbalen Kraftakt absieht, der da lautete: "Wir wollen Schüssel."

Trotzdem: Bisher hatten die Anti-Regierung-Demonstranten davon abgesehen, in Veranstaltungen offizieller Institutionen der Republik einzudringen und jemanden am Sprechen zu hindern wie jetzt bei der Nationalbank-Tagung teils den Finanzminister und ganz den Bundeskanzler. Das ist eindeutig Gewaltanwendung. Wenn auch auf niedrigem Niveau.

Damit kein Missverständnis aufkommt. Demonstrationen sind ein legitimes Mittel der Demokratie, weshalb auch der fast immer gewaltlose und oft sogar witzige Protest gegen Schwarz- Blau ein Ausdruck der politisierten Jugendszene (inklusive älterer Verbündeter) ist. Und sich nicht so schnell erledigt hat wie manche Ballhaustänzer glaubten.

Die Gefahr liegt stets in Provokationen und Überreaktionen. Aus dem "Marriott" sind die Demonstranten nach zwanzig Minuten wieder abgezogen.

Das muss nicht immer so sein. Und ganz offensichtlich gibt es unter ihnen einige militante Kräfte.

Die Organisatoren der Proteste sollten daher versuchen, die Gewaltbereiten unter ihnen zu isolieren, weil sonst die Explosionsgefahr steigt. Das mag Extremisten gefallen, mit Kritik und Protest hätte das nichts mehr zu tun.In diese Kategorie gehört auch die Ankündigung, dass es im Sommer weitere "Überraschungen" geben werde.

Der Protest auf der Straße ist ein wichtiges Mittel der Demokratie, manchmal ihr Theater. Über Regierungen entschieden wird aber im Parlament - und allenfalls in der Hofburg.

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