ÖGB-Gauper: Fatale Fehler im Bildungssystem

Bundesregierung und Wirtschaft auf falschem Dampfer

Wien (ÖGB). Scharfe Kritik an eklatanten Schwachstellen im Bildungs- und Ausbildungssystem übte heute ÖGB-Berufsbildungsreferentin Ortrun Gauper. "Die Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren immer weniger Lehrstellen angeboten, und die Vorschläge der Bundesregierung zur Lehre machen diese Ausbildungsvariante noch unattraktiver. Zudem werden nun beim Leonardo da Vinci-Programm SchülerInnen vor Lehrlingen bevorzugt", sagte Gauper bei der Konferenz "Valorisierung von Leonardo da Vinci in Österreich", die in Salzburg tagt. Gauper: "Das sind fatale Fehler, wenn man eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung des Instituts für Höhere Studien ernst nimmt. Diese besagt, dass mehr als 7.000 Jugendliche nach dem Ende der Schulpflicht keine weitere Ausbildung anstreben."++++

Wirtschaft hat aktuelle Trends noch nicht realisiert

Im Hinblick auf neue Unternehmens- und Arbeitsorganisationsstrategien aus den Vereinigten Staaten, die in großen Ländern Europas, wie z.B. Deutschland bereits eingesetzt werden, sei auch hier die Wirtschaft auf einem falschen Dampfer. So hänge die Beschäftigung eines Arbeitnehmers immer mehr vom Ergebnis des gesamten Unternehmens ab. Dieser Leistungsdruck bedinge, dass ArbeitnehmerInnen ihre Karriere wie Selbstständige oder Freischaffende organisieren. "Vom Arbeitnehmer wird erwartet, dass er selbst für sein Wissen sorgt und seine Leistung für das Unternehmen bringt", so Gauper.

In Österreich versuche die Wirtschaft, statt Ausbildung als Investition zu sehen, ihre Bildungsaufgabe immer mehr an die Öffentlichkeit bzw. an den Einzelnen auszulagern. Notwendig sei es jedoch, dass Unternehmen in die Schlüsselqualifikationen ihrer Beschäftigten investieren. Zudem sei eine gute Erstausbildung unabdingbar. Schließlich sind für eine erforderliche Flexibilität und Vielseitigkeit von ArbeitnehmerInnen Zusatzqualifikationen bzw. permanente Weiterbildung, das heißt lebensbegleitendes Lernen notwendig.

"Die Wirtschaft muss hier endlich umdenken, die Realität zur Kenntnis nehmen und den Erfodernissen entsprechend handeln", betonte Gauper.

ÖGB, 16. Juni 2000
Nr. 510

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