OeNB - 2. Tag der Volkswirtschaftlichen Tagung der OeNB

Wien (OTS) - OeNB - 2. Tag der Volkswirtschaftlichen Tagung der OeNB:

Utl.: - Vize-Gouverneurin Tumpel-Gugerell optimistisch
bezüglich Innovationsfähigkeit Europas
- Europäische Geldpolitik auf New Economy vorbereitet

Optimistisch äusserte sich Vize-Gouverneurin
Tumpel-Gugerell über das europäische Innovationspotenzial am zweiten Tag der Volkswirtschaftlichen Tagung der OeNB. Zwar
habe sich die Innovationslücke Europas gegenüber den USA seit Mitte der 90iger Jahre vergrössert, die Vertiefung der ökonomischen Integration der EU, die Verstärkung des
Wettbewerbes sowie die Schaffung von entsprechenden stabilen Rahmenbedingungen für die europäische Wirtschaftspolitik
bieten jedoch gute Voraussetzungen für einen raschen
Aufholprozess. Gerade in den letzten Monaten wurden auf EU-Gemeinschaftsebene zahlreiche Initiativen gestartet um den Übergang zu einer wissensbasierten Ökonomie in Europa weiter voranzutreiben. Dabei wird behilflich sein, dass Europa im
Bereich der traditionellen Industrien im internationalen
Vergleich einen Vorsprung aufweist.

Auf vier Punkte sollte laut Tumpel-Gugerell besonderes
Augenmerk gelenkt werden:

  • Es müssen adäquate Anreizstrukturen entwickelt werden, um den privaten Sektor verstärkt in die Finanzierung der Forschung und Entwicklung miteinzubeziehen.
  • Die öffentliche Unterstützung für die Grundlagenforschung muss gesichert werden.
  • Die Schaffung wettbewerbsfördender Rahmenbedingungen auf den Güter- und Kapitalmärkten muss fortgesetzt werden.
  • Trotz sinkender Arbeitslosenquoten darf der Reformprozess auf den europäischen Arbeitsmärkten nicht als abgeschlossen betrachtet werden.

Es herrsche zwar, so Tumpel-Gugerell weiter, Konsens
darüber, dass Reformen auf den Arbeitsmärkten entscheidend
sind, um die Wohlfahrtsgewinne der wissensbasierten Wirtschaft
voll nutzen zu können. Wenig Übereinstimmung könne jedoch über die Art der Reformen erzielt werden. Bemerkenswert in dieser Hinsicht sind auch die unterschiedlichen Arbeitsmarkt-
strukturen in jenen Ländern, denen New Economy-Phänomene zugeschrieben werden. So gibt es in den USA bekanntlich einen ausgeprägt deregulierten Arbeitsmarkt. Finnland hingegen,
dessen Informations- und Technologiesektor seit Mitte der
90iger Jahre rasch wuchs und damit hohe Produktivitätszuwächse
und sinkende Arbeitslosenquoten verzeichnete, verfügt ähnlich
wie Österreich über eine lange Tradition sozialpartner-schaftlicher Konfliktlösungsmechanismen. Dementsprechend
warnte Vize-Gouverneurin Tumpel-Gugerell vor simplifizierenden Erklärungsansätzen. Das finnische Beispiel aber auch
verschiedene neuere empirische Studien betonen die sehr
komplexe Interaktion sozialer, politischer und
institutioneller Rahmenbedingungen für das Wachstum.

In der Folge ging Tumpel-Gugerell auf die Herausforderungen
für die Geldpolitik ein. Eindeutiges und unbestrittenes
Grundziel der Geldpolitik sei die Preisstabilität.
Verschiedene traditionelle Konzepte der Geldpolitik müssen
jedoch vor dem Hintergrund von New Economy-Phänomenen
überdacht werden. Einfache mechanische Regeln, die mehr oder weniger auf Schätzungen des erzielbaren Wachstums beruhen, erscheinen aufgrund der Unsicherheiten über den zukünftigen Wachstumspfad in Folge möglicher New Economy-Phänomenen
weniger tauglich. Die geldpolitische Strategie des
Eurosystems, betonte Tumpel-Gugerell, sei damit für Herausforderungen durch die New Economy gut gerüstet. Der
Geldmenge wird duch die Veröffentlichung eines Referenzwertes
für das Wachstum des Geldmengenaggregates M3 eine prominente
Rolle zugewiesen. Kurzfristige Abweichungen von diesem
Referenzwert ziehen jedoch nicht automtisch geldpolitische
Schritte nach sich, da die Risiken für die Preisstabilität auf Basis einer Vielzahl an ökonomischen Indikatoren evaluiert
werden.

In einer Situation der Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung des potenziellen Wachstumspfades biete auch die föderale Struktur des Eurosystems grosse Vorteile. So könne
das gesamte Euro-Währungsgebiet von der profunden ökonomischen Expertise der jeweiligen nationalen Zentralbanken profitieren, stellte Vize-Gouverneurin Tumpel-Gugerell abschliessend fest.

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