"Neues Volksblatt" Kommentar: "Konflikt(e)" (Von Walter Salzmann)

Ausgabe vom 16. Juni 2000

Linz (OTS) - Die katholische Kirche sollte sich nach Ansicht von Kardinal Schönborn in Anbetracht der politischen Situation, die von einem Wechsel von einer "Konsensdemokratie hin zu einer Konfliktdemokratie" gekennzeichnet sei, als Plattform des offenen Gesprächs anbieten.

Einige Fragen stellen sich: Braucht es wirklich erst eine politische Entwicklung "von einer Konsens- zu einer Konflikt-Demokratie", damit sich die Kirche als Plattform des offenen Gesprächs anbietet? Zweitens: Hat sich die katholische Kirche nicht selbst schon längst zu einer Konflikt-Kirche entwickelt? Drittens:
Ist Konflikt an sich schlecht oder ist nur die Konfliktaustragung, die Konfliktbewältigung nach gut oder schlecht zu beurteilen? Abgesehen von der eigenartigen Unterscheidung zwischen Konsens- und Konfliktdemokratie: Dass auch Kardinal Schönborn auf einen Zug aufspringt, der Ablehnung gegenüber der neuen Regierung erkennen lässt, ist bedauerlich. Zumal der Eindruck entstehen kann, dass der Packelei das Wort geredet, während demokratischen Auseinandersetzungen geradezu Dämonisches zugeschrieben werden soll. Möglich, dass es der katholischen Kirche genau aus dieser Haltung heraus oftmals nicht möglich war und ist, Konflikte auszutragen, anstatt sie unter den Teppich zu kehren.

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