DER STANDARD bringt in seiner Donnerstag-Ausgabe einen Kommentar zur

Wien (OTS) - Verhaftung des Medienunternehmers Wladimir Gusinski:
Erschienen:15.06.2000

Diktatur des Gesetzes - Roman Berger =

" Wladimir Putin befindet sich erstmals offiziell als
russisches Staatsobrhaupt in Europa. Er will den Westen überzeugen, er habe eine neue Ära eingeleitet. Kurz nach seinem Abflug wurde in Moskau der Eigentümer regierungskritischer Medien, Wladimir Gusinski, verhaftet. Das weckt Erinnerungen an schlimmste Zeiten der Vergangenheit.

Er wisse von nichts, die Nachricht aus Moskau habe ihn überrascht, kommentierte der russische Präsident in Madrid. Ist Putins "Nichtwissen" ein Zeichen der Ohnmacht oder einfach eine bequeme Art, sich hinter der alten Kremlgarde zu verstecken? Nach den chaotischen Jelzin-Jahren hat Putin Russland wieder Ordnung unter einer "Diktatur des Gesetzes" versprochen. Um keine falschen Vorstellungen zu wecken, hat der Präsident auch einige liberale Wirtschaftsexperten in seinen Stab geholt. Putins "liberale Diktatur" nimmt aber beunruhigende Formen an.

Gusinski ist sicher kein Engel. Aber unter der gleichen Anklage -Veruntreuung staatlicher Gelder - könnten heute in Russland Tausende von Geschäftsleuten verurteilt werden. Die Verhaftung des Medienunternehmers ist ohne Zweifel ein weiterer gezielter Schlag gegen die freie Presse, die heute in Russland nur noch bruchstückhaft existiert. Seit Monaten werden die wenigen noch nicht regierungskonformen Medien oft gar als "Verräter des Vaterlandes" eingeschüchtert.

Am Anfang von Russlands Öffnung stand "Glasnost": die Presse- und Meinungsfreiheit, die den Übergang vom alten zum neuen System möglich machte. Diese Grundlage für Russlands junge Demokratie ist heute in Gefahr. Ohne Kritik und Kontrolle durch eine freie Presse droht Putins "Dikatur des Gesetzes" in eine wirkliche Diktatur abzudriften.

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