Ausgerechnet rasante Fahrer verzichten gerne auf den Gurt aber ungern auf Alkohol

Wien (OTS) - 42% der Österreicher stufen sich selbst als zurückhaltend-vorsichtige Fahrer ein, 46% als zügig-aktive und 12% als sportlich-rasante Fahrer. Der Anteil der sportlich-rasanten Fahrer ("Autoraser") stieg in den letzten fünf Jahren um 2% an (1995:
10%). Eine aktuelle, vom Mobilitätsforscher Mag. Michael Praschl durchgeführte Studie (Tiefeninterviews mit über 400 Fahrzeuglenkern) zeigt, dass sportlich-rasante Fahrer dreimal häufiger schwere Verkehrsunfälle hinter sich haben als zurückhaltend-vorsichtige Fahrer.

30% der rasanten Fahrer, 11% zurückhaltenden Fahrer haben bereits mehrere schwere Verkehrsunfälle hinter sich.

Außerdem legen ausgerechnet die sportlich-rasanten Fahrer nur zu 62% konsequent den Sicherheitsgurt an. Bei den zurückhaltenden Fahrern liegt die Gurt-Anlegequote bei 94%. Studienautor Mag. Michael Praschl: "Gerade rasante Fahrer sind von ihrem Fahrkönnen dermaßen überzeugt, dass sie es für fast ausgeschlossen halten, einen Unfall zu verursachen."

Besonders bedenklich ist auch die Verbindung von Alkohol und Schnellfahren. 81% der zurückhaltenden Fahrer trinken nach eigenen Angaben niemals Alkohol, wenn sie nachher fahren, bei den sportlich-rasanten Fahrern trifft das nur für 70% zu. 30% der rasanten Fahrer genehmigen sich also bisweilen das eine oder andere Gläschen, bevor sie ins Auto steigen. Praschl: "Schnellfahren und Alkohol treffen also recht häufig zusammen - ein tödlicher Cocktail!"

Die Studie zeigt weiters, dass sich unfallfreie Fahrer von den "Unfalllenkern" auch besonders dadurch unterscheiden, dass sie sich weitgehend an die bestehenden Tempolimits halten. Praschl: "Die derzeitigen Tempolimits - auch auf der Autobahn - sind absolut gerechtfertigt, wenn nicht zum Teil sogar zu hoch. Auch wer glaubt, zu den 90% der österreichischen Lenker zu gehören, die von ihrem Fahrkönnen absolut überzeugt sind, muss immer eine hohe Sicherheitsreserve für eigene Fehler und auch Fehler anderer einkalkulieren. Schließlich machen alle Menschen Fehler! Die Einhaltung der Tempolimits wäre jedenfalls tatsächlich fast eine Lebensversicherung im Straßenverkehr!"

Die meisten Lenker haben gar nichts gegen Radarkontrollen.

Eine große Mehrheit der österreichischen Autolenker tritt für strengere Tempokontrollen auf, wobei eine wirklich risikobezogene Überwachung an gefährlichen Stellen die höchste Akzeptanz findet. Selbst die gefürchteten überraschenden Radarkontrollen ohne Vorwarnung ("Radarfallen") und der vieldiskutierte Punkteführerschein finden eine deutliche Zustimmung bei den Autolenkern.

Folgende Maßnahmen gegen Schnellfahren wurden von den über 400 befragten Fahrzeuglenkern als wirksam eingestuft: (Prozentwerte sind die Summen aus den Nennungen "sehr wirksam" und "ziemlich wirksam" aus einer 4-stufigen Skala)

1. Mehr mobile Radarkontrollen (Radarpistolen) 84%
2. Mehr überraschende Radarkontrollen ohne Vorwarnung 82%
3. Mehrmonatiger Führerscheinentzug für extreme oder mehrfach auffällige Schnellfahrer (im Wiederholungsfall auch längerer Entzug) 82%
4. Mehr Zivilstreifen (mit Videokamera) 80%
5. Deutlich höhere Geldstrafen für Schnellfahrer 70%
6. Einführung des Punkteführerscheins, wobei nach Erreichen einer bestimmten "Strafpunkteanzahl" (z.B. innerhalb von 5 Jahren) der Führerschein neu gemacht werden muss 70%
7. Mehr sichtbare Präsenz der Exekutive im Straßenverkehr. Z.B.: Auf der Autobahn sollte zumindest alle 100km ein Gendarmeriefahrzeug deutlich sichtbare postiert sein 68%
8. Deutlichere Hinweise (Warntafeln, etc.) auf besondere gefährliche Straßenabschnitte 67%
9. Ein "Bonuspunkt" bei der Versicherung für 3 Jahre ohne festgestellte Geschwindigkeitsüberschreitung 61%
10. Mehr elektronische Abstandkontrollen 59%
11. (Teilweiser) Entfall des Versicherungsschutzes bei überhöhter Geschwindigkeit (ähnlich wie bei Alkoholisierung) 58%
12. Bauliche Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in Wohngebieten (Schwellen, Verengungen, etc.) 56%
13. Mehr stationäre Radarkontrollen 54%
14. Ein "Maluspunkt" bei der Versicherung für jede festgestellte Geschwindigkeitsüberschreitung 54%
15. Mehr elektronische Geschwindigkeitsmessungen mit großer Anzeigetafel für gemessene Geschwindigkeit (ohne Bestrafung) 54% 16. Verpflichtung zum Einbau eines Fahrtenschreibers für extreme oder mehrfach auffällige Schnellfahrer (2 Jahre "Bewährung") 52% 17. Erhöhung der Dauer der Amtshandlung bei Anhaltung wegen Schnellfahrens auf 20-30 Minuten (ähnlich wie in Amerika). Höhere Dauer z.B. durch Ausfüllen eines langen Fragebogens, etc.48%
18. Warnsysteme in allen Fahrzeugen, die dem Lenker ein Überschreiten des gerade aktuellen Limits signalisieren 48% 19. Automatische Tempobegrenzer in allen Fahrzeugen, die ein Überschreiten des gerade aktuellen Limits verhindern (mit Überbrückungsmöglichkeit in Notsituationen) 45%
20. Ein ein- bis zweitägiges Kursprogramm für extreme Schnellfahrer, mit praktischen Fahrübungen und einem Bewusstseinsbildungs- programm 44%
21. Einschränkung des Führerscheins auf Fahrzeuge mit maximal 50PS für extreme oder mehrfach auffällige Schnellfahrer (2 Jahre "Bewährung") 40%
22. Mehr Sicherheitskampagnen/Bewusstseinsbildung 40%
23. Deutlichere Tempolimit-Schilder + Erinnerungstafeln in kürzeren Abständen 39%
24. Keine Zulassung von Fahrzeugen, die deutlich schneller gehen als das Autobahntempolimit (z.B. max. 150 km/h) 38%
25. Psychologische Eignungstests für alle Führerscheinanwärter 35% 26. Einbau von Fahrtenschreibern in alle Fahrzeuge 34%
27. Mehr Zivilcourage: Lenker sollen Schnellfahrern mitteilen, dass sie mit deren Verhalten nicht einverstanden sind
(z.B. spezielles Lichthupensignal) 25%
28. Man sollte den Fahrzeuglenkern mehr vertrauen und einmal einen Monat lang überhaupt keine Tempokontrollen machen 12%

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Rückfragen & Kontakt:

Die Studie PRASCHL 2000, "speedless - Effektive Argumentation gegen
Schnellfahren" wurde vom Österreichischen Verkehrssicherheitsfonds
gefördert.http://members.aon.at/mip/mobilitaetsforschung/speedless.htm
Mag. Michael Praschl - Motiv- & Mobilitätsforschung
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(Mobil: 0699 10447722) e-mail: mip@aon.at

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