FORMAT: Zurückgetretener Bank Burgenland-Chef fühlt sich "hintergangen"

Laut Ernst Gassner hat flüchtiger Howe-Chef die Bilanazen zumindest seit 1997 gefälscht.

Wien (OTS) - Format: Herr Gassner, uns liegen Aussagen von Howe-Aktionären vor, wonach Sie persönlich Geldgeber in Deutschland gekeilt und über Kredite der Bank Burgenland finanziert haben. Stimmt das?

Gassner: Es ist richtig, daß ich zwei dieser Leute auf halbem Weg getroffen haben. Damit sie nicht so weit fahren müssen, bin ich nach München gefahren. Ich habe diese neuen Aktionäre zuvor nie gesehen und mit ihnen auch nie geredet. Falsch ist, daß ich sie zu diesem Investment ermutigt habe. Sie haben sich mit allen Risiken an einem Unternehmen beteiligt, die ein Aktionär hat.

Format: Wußten oder wissen Sie eigentlich, wer die Aktionäre der Howe AG sind? Da gibt es einen Deutschen namens Manfred Rogg. Was kann der Mann?

Gassner: Das ist ein Unternehmer aus München. Mehr weiß ich nicht.

Format: Immerhin ist Rogg bis heute Vorsitzender des Aufsichtsrates der Howe AG.

Gassner: Ich habe diesen Mann nur einmal gesehen. Mit dem Howe-Aufsichtsrat hatte ich ja nie zu tun.

Format: Eine BV Beteiligung- und Verwaltung GmbH mit Sitz im südburgenländischen Allhau ist Howe-Großaktionär. Der Eigentümer heißt Wofgang Freiherr von Pfetten-Arnbach. Wer ist das?

Gassner: Das weiß ich auch nicht. Den habe ich nie gesehen. Ich hatte ja mit dem Vorstand zu tun, aber nicht mit dem Aufsichtsrat.

Format: Wie haben Sie persönlich Howe-Chef Hom-Rusch in all den Jahren erlebt?

Gassner: Ich habe kein persönliches oder freundliches Verhältnis zu ihm gehabt, sondern ein fachlich-korrektes. Ich hatte den Eindruck, daß er ein sehr fleißiger Mensch ist, daß er sehr viel unterwegs und sehr beweglich ist und sehr gute Beziehungen hat. Ich habe ihn in all den Jahren als fleißigen, sehr aktiven Menschen erlebt.

Format: Hinweise darauf, daß Ihr größter Kreditnehmer wackelt, gab es seit zumindest drei Jahren. Im Sommer 1999 kam es zu einer Prüfung durch die Bankenaufsicht, worauf Sie im Februar eine Sonderbuchprüfung veranlaßt haben, die noch immer läuft. Wann haben Sie sich zum Rücktritt entschlossen?

Gassner: Mitte voriger Woche sind wir draufgekommen, daß die Bilanzen seit 1997 gefälscht sind und haben die nötigen Schritte eingeleitet. Herr Doktor Hom-Rusch wurde damit dann am Dienstag konfrontiert und hat die Fälschungen zugegeben.

Format: Sie haben also bis Mitte voriger Woche über keinerlei Indiz verfügt, daß der Mann ein mutmaßlicher Betrüger ist?

Gassner: Wer fälscht schon Bilanzen?

Format: Warum sind Sie schließlich zurückgetreten?

Gassner: Weil ich persönlich so tief getroffen bin. Ich bin enttäuscht, tief ins Mark getroffen. Ich nehme das nach 37 Jahren im Geschäft noch immer sehr ernst. Ich habe mich hintergangen gefühlt. Außerdem habe ich ein Alter, in dem man in Pension gehen kann. Ich wollte ja nur mehr den Übergang begleiten.

Format: Am Beginn der Affäre wurde das Risiko mit 700 Millionen angegeben, zuletzt war bereits von bis zu zwei Milliarden Schilling Schaden die Rede. Wo liegt die Wahrheit?

Gassner: Diese Zahlen sind absolut unseriös. Heute Zahlen zu nennen, ist nicht seriös. Wer mit gefälschten Ziffern konfrontiert wird, muß alles, was er in der Hand hat, überprüfen. Genau das läuft.

Format: Der burgenländische FPÖ-Klubobmann Wolfgang Rauter lag Landeshauptmann Stix schon seit drei Jahren mit Informationen gegen die Howe und Herrn Hom-Rusch in den Ohren. Hatte Rauter rückblickend recht?

Gassner: Der Herr Wolfgang Rauter hat schon sehr viele Unternehmen im Burgenland schlecht gemacht. Für mich zählt nicht Rauter, sondern daß diese Firma ein gutes Rating gehabt hat. Sie hat Bilanzen mit Kapital vorgelegt, die in Ordnung waren.

Format: Wie ist das mit den gefälschten Bilanzen abgelaufen?

Gassner: Wir haben Bilanzen verlangt und bekommen, die waren in all den Jahren wie ein Prüfbericht aufgebaut. Seit acht Tagen wissen wir, daß sie gefälscht waren.

Format: Der Aufsichtsrat hat Ihre Kreditvorlagen nie hinterfragt?

Gassner: Jedes Gremium bei uns ist getäuscht worden, das gilt auch für den Aufsichtsrat.

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