Pressestimmen/Vorausmeldung/Kultur "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Lobisser und die Kulturgeschichte

Klagenfurt (OTS) - Ausgabe vom 9.6.2000=

Biennale, Venedig, Mitte der achtziger Jahre,
erster Blick in den Pavillon der Sowjetunion. Ich war baff: Woher hatten die ihre Lobisser her? Holzschnitte, klobig, "heimattreu", triefend vor schmierigem Pathos. Der Holzschneider erwies sich in der Folge als irgendein "Held der Arbeit".
Lobissers gab und gibt es überall, wo man den Bürgern "heimattreue" oder "klassenbewusste" Sentimentalitäten als Ersatz für Menschenrechte, Aufklärung und künstlerische Redlichkeit andrehen möchte. In Maos China, in Kim Il Songs Nordkorea. Jede Tyrannis braucht ihre Schönfärber, so auch das nationalsozialistische Kärnten, wo Switbert L. den Sitzungssaal des Landhauses mit seinen ekelhaften Huldigungen an SA und SS besudelt hat. Derzeit sind diese Untaten unter dem Holzpaneele verborgen.
Was tun mit dergleichen? Abschlagen kommt nicht in Frage, da diese Fresken (nebst zahllosen bösartigsten Holzschnitten) dokumentarisch Lobisser als das entlarven, was er war: ein brauner Propagandamaler, der in der Kunstgeschichte Österreichs für die bislang dumpfeste und militanteste Kampagne gegen die Moderne steht. Die (riesigen) Fresken um Unsummen konservieren, abnehmen und der Öffentlichkeit zugänglich machen, weil es sich bei L. ja, wie der Landeshauptmann behauptet, um einen "anerkannten Künstler" handelte? Das käme der Schaffung eines Wallfahrtsortes für jene gleich, die zugleich mit dem "anerkannten Künstler" auch den politischen Propagandisten "anerkennen". Ein Tipp:
Fotografieren, wieder abdecken und mit der Scham leben.

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