Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Das Spielchen mit der Macht

Ausgabe vom 8.6.2000

Klagenfurt (OTS) - Rot raus, Blau ein, lautet derzeit die Devise in Kärnten. Seit die Sozialdemokraten nicht mehr das Sagen haben, hat sich gesellschaftspolitisch in diesem Lande einiges verändert. Während aber die Sozialdemokraten Jahrzehnte brauchten, um ihre Positionen abzustecken, verläuft bei der Haider-Partei dieser Prozess mit affenartiger Geschwindigkeit. Etwa im Landesdienst, wo die Freunderlwirtschaft fröhliche Urstände feiert. In Unternehmungen, in denen das Land mitredet, sitzen mit wenigen Ausnahmen ohnedies nur noch die Treuhänder des Bärentalers.
Und selbst im Sport mischt der Landeshauptmann mit. Und das bei einem Fußballverein, der eine blutrote Tradition aufweist. Da werden sich einige verdiente Funktionäre im Grab umdrehen. Der größte Coup gelang den Freiheitlichen jedoch mit der Bestellung Schretters zum neuen Obmann des Abwehrkämpferbundes. Sein Vorgänger Themeßl war zwar kein Roter, aber ein nach allen Seiten offener und fairer Gesprächspartner.
Von der Wiege bis zur Bahre - ohne großen blauen Bruder geht offensichtlich nichts mehr in Kärnten. Haider war in diesem Lande angetreten, um die Machtpolitik und angebliche Selbstherrlichkeit der Sozialdemokraten zu brechen. Mit Erfolg. Jetzt sitzt er selbst mitten im Futtertrog und verteilt die Kuchenstücke. Streng nach Kriterien der Objektivität, heißt es. Mit einem Schuss Ironie darf festgestellt werden, dass der Bärentaler wiederholt, was er an anderen kritisiert hatte. Er beherrscht das Spielchen mit der Macht allerdings perfekter und professioneller als die "bösen" Roten.

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