"Neue Zeit" Kommentar: "Zeit ist knapp" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 7. 6. 2000

Graz (OTS) - Streik ist ein gewerkschaftliches Instrument, das in kaum einem Land so sorgfältig überlegt und sparsam eingesetzt wird wie in Österreich. Das war in Zeiten einer funktionierenden Sozialpartnerschaft so, und das ist auch heute noch so, obwohl diese Sozialpartnerschaft so gut wie zerfallen ist.

Streik ist jedoch ein absolut demokratisches Mittel, mit dem sich Arbeitnehmer gegen Willkürakte von Unternehmern zur Wehr setzen, seien dies private, halbstaatliche wie Post und Bahn, oder der Staat selbst als Dienstgeber.

Streik ist aus mehreren Gründen ein sparsam eingesetztes Instrument: Erstens bedarf es der Bereitschaft der Arbeitnehmer, zweitens des Verständnisses einer breiten Bevölkerung und drittens ist es die letztmögliche Art, sich zu wehren.

Auf die Bereitschaft der Arbeitnehmer zum Streik hat diese schwarz-blaue Bundesregierung wenig Einfluss. Deshalb versucht sie mit aller Vehemenz, das Verständnis anderer Berufsgruppen für streikbereite Arbeitnehmer, wie aktuell die Eisenbahner, zu verhindern. Ausspielen von Bevölkerungsgruppen gegeneinander ist das vermeintliche Rezept. Pensionisten gegen Aktive, Beamte gegen ASVG-Versicherte, Arbeiter gegen Angestellte.

Ein Versuch, der dieses Mal scheitern dürfte, weil die Regierung nahezu alle Arbeitnehmer mit ihrer Sozialpolitik brüskiert. Deshalb wäre die Koalition gut beraten, weitere Gespräche zu suchen, statt von "Erpressung" zu reden, der sie sich nicht beugen wolle. Die Zeit ist schon sehr knapp geworden.

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