Europa auf die Überholspur

Arbeitsmarkt, Export, Konsum: Das Werkel läuft
(Von Gerald Mandlbauer)

Am kommenden Donnerstag wird die Europäische Zentralbank aller Voraussicht nach die Leitzinsen anheben. Eine rein restriktive Maßnahme. Damit wird eine Kreditaufnahme verteuert, die Investitionstätigkeit der Unternehmen, mit Fremdkapital finanziert, gedämpft. Die Zentralbank tritt damit das Bremspedal, sie will steigender Inflationsgefahren Herr werden.
Solche inflationären Effekte drohen uns momentan von verschiedener Seite. Das Verhältnis Euro zu Dollar verteuert den Ölimport. Nicht alleine Österreich führt deswegen eine heftige Benzinpreis-Debatte.

Mehr Augenmerk schenken die Notenbanker jedoch den wirtschaftlichen Aussichten Ð und die sind, passend zur Wetterlage, prächtig. ãGut wie seit 20 Jahren nichtÒ seien die wirtschaftlichen Erwartungen, befand diese Woche die Bank für Zahlungsausgleich.
Dieses sich beschleunigende Wachstum muss durch sorgsam abgewogene Zinsschritte der Zentralbank fein dosiert werden. Wenn nicht, würde der bei Aufschwüngen übliche Begleiter, die Lohn-Preis-Spirale, losgetreten. Steigende Löhne zögen höhere Preise der Unternehmen nach sich. Diese Entwertung des Geldes will die Europäische Zentralbank verhindern. Inflationsfreies Wachstum macht uns reicher. Momentan gelingt diese Verbindung zweier Optimalzustände. Der eine, die USA, haben Jahre der Hochkonjunktur hinter sich, Europa solche vor sich, sind sich die Forscher einig. Kein Land in Zentraleuropa, das seine Wachstumsaussichten nicht nach oben revidieren muss. Die Leute sind geradezu konsumwütig. In Österreich werden die Konsumausgaben heuer neuerlich um mehr als drei Prozent ansteigen. Ebensolche Impulse kommen aus dem Export. Die Ausfuhren werden getrieben von dem für die Unternehmen günstigen Euro-Kurs. Für Europa stellt der Kurs der Einheitswährung zum Dollar trotzdem einen Makel dar, der sich erst beseitigen wird, wenn Europas Wachstum vermehrt internationales Geld anzieht. Anzeichen dafür häufen sich, der Kurs des Euro erklomm gestern ein Siebenwochenhoch. Eine Trendwende? Die deutlichsten Abdrücke hat das Wachstum auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. Monat für Monat verbessern sich die Daten. Arbeitslosigkeit in Österreich hat den Stand von 1989 erreicht.

Wirtschaft ist Psychologie. Positive Aussichten verändern die Stimmung, diese das Verhalten. Wer an eine Belebung glaubt, der konsumiert, investiert und wird damit selbst zur Stütze dieses Aufschwungs. Dieses Muster setzt jetzt ein, birgt jedoch die Gefahr eines übermäßigen Optimismus.
Notenbanker warnen daher vor Euphorie und Sorglosigkeit. Noch immer sind in vielen Ländern die Aktienkurse zu hoch. Gleichzeitig müssen die USA, um ihr Leistungsbilanz-Ungleichgewicht abzubauen, Wachstum dämpfen. Und schließlich dürfe Europa seinen momentanen Reformeifer nicht verlieren. In fetten Zeiten gehörten Budgets saniert, Reformen vorangetrieben. Der Leiter des Staatsschuldenausschusses, Frisch, hat gestern dazu einige Radikalvorschläge präsentiert. Darüber zu debattieren, ohne sie gleich als utopisch vom Tisch zu fegen, würde sich lohnen.

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