Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Mehr Ohrenzeugen

Ausgabe vom 6.6.2000

Klagenfurt (OTS) - Zwar hält sich das Mitleid mit der FPÖ in engen Grenzen, doch was dieser Partei widerfährt, ist ja wirklich erbarmungswürdig. Da bleibt vom Wiener Parteitag in der öffentlichen Kenntnisnahme nichts als "Hump" und vom Parteitag in Wieselburg bleibt auch nicht mehr als der vom "Führer" geprägte Leitspruch der SS.
Wieder wurde weniger das Gesagte bedauert, als für bedenklich gehalten, was "Ohrenzeugen" hören. Ohrenzeugen sind hinterhältig. Da ermahnt der neue Landes-FP-Chef seine Mannen eher unbedarft als unterschwellig Signale aussendend zu "unsere Ehre heißt Treue" und meint damit "Primärtugenden" der FPÖ. Im Ohr der Ohrenzeugen aber ist es der von Hitler geprägte Wahlspruch der SS.
Ein Skandal? Ein Fall für den Staatsanwalt? Eine Blamage? Eine Lächerlichkeit? Eine Selbstentlarvung? Ein übler Treppenwitz? Oder auch nur ein "Hump"? - Es hat ganz den Anschein, als würden "Entgleisungen" dieser Qualität nicht mehr der allgemeinen Aufregung und Entrüstung für wert befunden werden. Kopfschütteln ist schon alles, was wir dafür übrig haben. Und der Herr Bundeskanzler schweigt ohnehin beharrlich dazu.
Doch dieses Sich-Abfinden mit dem Hintergrundrauschen des Totalitären, dieses bisschen Kopfschütteln dort, wo Primärtugenden des Todes (und das bedeuteten Ehre und Treue damals) wörtlich wieder zur Befolgung empfohlen werden, prägen unseren Alltag auf gefährliche Weise mehr als die "Entgleisungen" selbst. Wir brauchen mehr Ohrenzeugen.

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