"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ominöses Wort" (von Hans Winkler)

Ausgabe vom 06.06.2000

Graz (OTS) - "Welche Alternative haben wir?" Man sah es Fritz Verzetnitsch förmlich an, wie ungern er diese Anspielung machte. Das ominöse Wort auszusprechen, vermied er ohnehin.

Früher hat es genügt, dass jemand wie er das Wort Streik auch nur in den Mund nahm und schon beeilte sich die Regierung, dem ÖGB seine Wünsche zuzugestehen - oder zumindest so viel, dass alle das Gesicht wahren konnten.

Auch jetzt würde Wolfgang Schüssel, der ja der eingefleischteste Sozialpartner ist, den man sich vorstellen kann, zweifellos herbeieilen und in unendlichen Verhandlungen irgendeinen Kompromiss zusammenzudrechseln.

Aber die ÖVP hat einen Regierungspartner, dem alle die Hin- und Rücksichtln, die zu nehmen sie gewöhnt ist, egal sind. "Sollen Sie doch streiken!" sagte Susanne Riess-Passer. Schüssel wäre so etwas kaum über die Lippen gekommen. Aber er lässt sich scheint's gern von der FPÖ zu etwas zwingen, wozu er sich selbst nicht aufgerafft hätte.

Also könnte Fritz Verzetnitsch passieren, was er sich sicher nie gewünscht hat, nämlich als der ÖGB-Präsident in die Geschichte einzugehen, unter dem zum erstenmal seit Menschengedenken in Österreich gestreikt wird.

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