"WirtschaftsBlatt" über die Bahn. Ein Streik ist das Letzte von Peter Muzik

Ausgabe vom 6.6.2000

Wien (OTS) - Österreich steht ein heisser Sommer bevor. Wenn am Donnerstag im Zentralausschuss der Eisenbahner grünes Licht für Kampfmassnahmen gegeben wird - woran eigentlich niemand zweifelt -, dann könnte das der Auftakt einer Entwicklung sein, die allen Beteiligten schwer schaden wird. Der Streik-Bazillus könnte von den Eisenbahnern rasch auf andere Berufsgruppen überspringen, die ebenfalls gerade sauer auf die neue Regierung sind: Postler, Polizisten, Lehrer, Feuerwehrleute oder Spitalsbedienstete. Womit wir in dieser seit Jahrzehnten so friedvollen Republik etwas vollkommen Neues erleben würden - eine Art Ausnahmezustand. Am wenigsten dürfen dieses gruselige Szenario jene Regierungsmitglieder unterschätzen, denen nach ergebnislosen Verhandlungsrunden mit den Beamten nur ein trotziges "Na, dann solln's halt einmal streiken" eingefallen ist. Den sozialen Frieden ernsthaft zu gefährden, wäre mit Sicherheit das Schlimmste, was dieser Regierung noch passieren könnte. Deshalb müssen Schüssel & Co. - so wie auf der anderen Seite die ÖGB-Granden, für die es auch einiges zu verlieren gibt - jede Eskalation verhindern. Die Folgen einer solchen wären für Regierung und Beamte gleichermassen dramatisch, ohne dass ein Kompromiss in Sicht rückte. Die Kluft zwischen Staatsdienern und dem Rest der Bevölkerung nähme zu, das soziale Klima würde leiden. Eine Umfrage des Linzer Market-Instituts weist nach, dass die Österreicher wenig Verständnis für Streiks und eine zusätzliche Polarisierung der Verhältnisse hätten. Sehr nachteilig würden sich spektakuläre Streiks - und streikende Eisenbahner in der Urlaubszeit sind etwas Spektakuläres -auch auf internationaler Ebene auswirken: An ein Ende des Boykotts durch die EU-Staaten wäre auf Grund solcher interner Theaterstückln noch weniger zu denken und die Stigmatisierung des Landes um eine Facette bereichert. Schliesslich würde sich der an sich relativ harmlose Konflikt Gewerkschaft gegen Regierung äusserst negativ auf den Wirtschaftsstandort Österreich auswirken: Auf potenzielle Investoren wirken solche Ereignisse mit Sicherheit abschreckend. Wenn aber das bislang - wenigstens in dieser Hinsicht - hervorragende Image Österreichs unnötigerweise demoliert wird, hätte das wiederum negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und das Wirtschaftswachstum. Bleibt also bloss die Hoffnung, dass alle Verantwortlichen in den kommenden Tagen kühlen Kopf bewahren. Jeder, jedes Lager, jeder Streithansel müsste letztlich wirklich alles tun, damit dem Land ein heisser Sommer erspart bleibt - (Schluss) PM

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