"Neues Volksblatt" Kommentar: "Diplomaten" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 3. Juni 2000

Linz (OTS) - Die gestrige Aufregung um eine angebliche Schüssel-Ablehnung eines EU-Angebots zur möglichen Aufhebung der Sanktionen nach mehrmonatiger "Beobachtung" ist auch symptomatisch für die derzeitige gespannte Lage - mehr in der EU denn in Österreich. So einig für die Sanktionen, wie oft der Eindruck zu vermitteln versucht wird, stehen die EU-14 nämlich nicht da: Mittlerweile ist auch ihnen bewusst geworden, auf wie, vorsichtig formuliert, wackligen rechtlichen Beinen ihr Schritt steht und dass es ein Fehler ist, einen solchen Schritt zu setzen, ohne auch das Ausstiegs- Szenario dafür bei der Hand zu haben. Kleinere EU-Länder und auch Beitritts-Kandidaten sind verstört über den Umgang mit einem kleinen Land. Und schließlich müssen die EU-14 auch feststellen, dass der Sanktions- Rückhalt in ihrer eigenen Bevölkerung eher gering ist. Zum anderen die österreichische Lage: Die breite Empörung über die Sanktionen ist zweifellos für die Regierung günstig - so wie sich die SPÖ mit ihrem Kurs in der Bevölkerung kaum Freunde macht. Weder Aufgeregtheit noch Häme noch das Schüren von Emotionen, merk's FPÖ, merk's SPÖ, sind in dieser Situation der Schlüssel zum Ziel. Es ist die Zeit der Diplomaten - für einen Ausweg ohne Gesichtsverlust auf beiden Seiten.

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