Dritte Mobilfunk-Generation weckt unrealistische Begehrlichkeiten

Fachverband lehnt "quasi-diktatorische Marktregulierung" durch den Staat strikte ab

Wien (PWK) - Gegen staatliche Zwangsmaßnahmen im Netzaufbau und für ein vernünftiges UMTS-Versteigerungsdesign "mit Augenmaß" plädierte heute, Freitag, der Fachverband für Telekommunikation und Rundfunk in der Wirtschaftskammer Österreich. Selbsternannte Telekom-Experten träumten zwar von unrealistisch hohen UMTS-Versteigerungserlösen und von staatlich verordneter Kooperation in einem kompetitiven Markt. Mit diesen unzeitgemäßen Zwangsmaßnahmen sollten aber nur vergangene Fehlleistungen ausgebügelt werden, angefangen von aufgeschobenen Infrastrukturausbauten bis hin zum Stopfen staatlicher Budgetlöcher, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des Fachverbandes.

Ob die dritte Mobilfunk-Generation den europäischen Massenmarkt überhaupt erobern kann, stellen jüngste Studien angesichts überhöhter Lizenzzahlungen, fehlender Dienste und unsicherer Kundenakzeptanz verstärkt in Frage. Der Telekom-Branche als Schrittmacherin der "New Economy" könnte nämlich in der Entwicklung von UMTS / IMT 2000 durch regulatorische Fehler ein Milliardendebakel mit unabsehbaren Schäden für die kontinentale Wirtschaft blühen. Dass marktwirtschaftliche Fehlentscheidungen auch in dieser Zukunftsbranche möglich sind, zeige der Fall des amerikanischen Satellitentelefonie-Konsortiums Iridium.

Wenn man die höchsten in Europa erzielten Versteigerungserlöse als Maßstab heranzieht, dann müsse auch darauf hingewiesen werden, dass in diesen marktwirtschaftlich orientierten Ländern ein seit Jahren funktionierender Markt für Informationstechnologien mit einem ausreichenden Bildungsangebot und einem technologiefreundlichen Klima besteht. Demgegenüber sei der österreichische Telekommarkt zum spätestmöglichen Zeitpunkt liberalisiert worden. Weiters fehlten nach konservativen Schätzungen 10 bis 15.000 Experten im IKT-Bereich. Die angekündigte Technologieoffensive lässt auf allen Ebenen noch immer auf sich warten.

Erst vergangenen Mittwoch forderten WKÖ-Präsident Leopold Maderthaner und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel am "Tag der Wirtschaft" unisono eine nationale Kraftanstrengung in diesem Bereich und verstärkte Kooperationen zwischen Staat und Wirtschaft ein. Ein vernünftig über den Markt koordinierter Netzaufbau könnte vielfache technologische Entwicklungen stimulieren, die Ausbildungssituation in Österreich nachhaltig verbessern sowie jenes Know-How generieren, das dann auch in artverwandten Branchen der Informationsgesellschaft sinnvolle Anwendung findet.

In dieser Situation lehnt es der Fachverband daher strikt ab, nach einer "quasi-diktatorischen Marktregulierung" durch den Staat und der "Abschöpfung einer nicht vorhandenen Monopolrente" zu rufen. Dies noch dazu vor dem Hintergrund der im Juni 2000 auf der Tagesordnung stehenden EU-Richtlinien zur Informationsgesellschaft in Europa, die einen Rückgang des nationalen Regulierungsregimes zugunsten des Wettbewerbsrechts sehen. Wenn es der Wunsch des Regulators ist, den Preis für eine UMTS-Frequenz im Versteigerungsverfahren über den Markt zu regeln, könne nicht andererseits im Netzaufbau nach irrealen staatlichen Zwangsmaßnahmen gerufen werden.

Der österreichische Mobilfunkmarkt hat 1999 mit einer Verdoppelung und einer aktuellen Penetrationsrate von 58 Prozent bewiesen, dass heimische Telekom-Anbieter in einer kompetitiven Marktsituation den Kunden im EU-Vergleich äußerst attraktive Dienstleistungen anbieten können. Eine mögliche Preiskorrektur spiegle dabei nur eine Anpassung an das europäische Niveau, an die ständig steigende Netzqualität und an das verstärkte Angebot innovativer Dienste wider.

Trotz einiger unqualifizierter Zwischenrufe vertrauen Fachverband und Wirtschaftskammer daher weiterhin dem Regulator Telekom Control bei der Erstellung eines marktgerechten UMTS-Versteigerungsdesigns für die dritte Mobilfunkgeneration, sowie auch den staatlichen Verwaltungseinheiten bei der vernünftigen Behandlung von Problemen im Netzaufbau. Jüngste Studien zur Abstrahlung von Mobilfunkanlagen und der objektive Umgang mit diesen Themen in verschiedenen Landtagen lassen hoffen, dass der Zukunftsmarkt Telekommunikation weiterhin ein Jobmotor der heimischen Wirtschaft bleibt und nicht durch staatliche Zwangsregulierung und unrealistische finanzielle Forderungen abgewürgt wird. (hp)

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