ORF, "Am Schauplatz" aufgedeckt: Arzneimittelskandal und unbeschreibliche Tierquälereien in Österreichs größter Schweinefabrik des Grafen Hardegg Gesundheitsministerin Sickl bestätigt illegale Praktiken

Laaben (OTS) - Die gestrige Sendung "Am Schauplatz" deckte auf,
was monatelang durch massive politische Interventionen seitens der ÖVP zu vertuschen versucht wurde: In Österreichs größter Tierfabrik, der "Hardegg'schen Gutsverwaltung" wurden - neben entsetzlichen Tierquälereien - reihenweise illegale Medikamente und verheerende hygienische Zustände entdeckt. Ende Feber traf ein anonymes Packerl bei der NR-Abgeordneten Dr. Petrovic im Parlament mit Foto- und Videomaterial sowie 7 Medikamentenfläschchen ein, es handelte sich dabei um Antibiotika ("Baytril"), Hormonpräparate ("Synpitan"), Geburtsbeschleuniger ("Monzal"), Herzmittel ("Suacron") sowie Psychopharmaka ("Stresnil), versehen mit einem Zusatzschreiben, woher diese stammen, nämlich vom Grafen Maximilian Hardegg aus Seefeld-Kadolz.

Die mitgelieferten Bilder zeigten zudem ein mehr als erschreckendes Szenario: Tote Embryos , kranke, sterbende Ferkel, gleich neben offen lagernden Futtermitteln und unglaublichem Schmutz; trächtige Sauen, völlig apathisch in körperengen Metallkäfigen ("Kastenständen") dahinvegetierend; vergebliche verzweifelte Ausbruchsversuche der Muttersauen aus ihren "eisernen Jungfrauen".

Der Herr Graf, der mittels höchster ÖVP-Kreise bis zuletzt heftig gegen die Ausstrahlung des Dokumentationsmaterials interveniert hatte, wollte im ORF keine Stellungnahme dazu abgeben. Lieber drohte er mit Klagen. Andererseits hat er indirekt zugegeben, daß die Aufnahmen tatsächlich aus seinem Betrieb stammen, da er seinerzeit selbst Anzeige wegen Einbruchdiebstahl erstattet hatte und gegenüber der Gendarmerie zugab, daß eine seiner Arbeiterinnen regelmäßig diese Medikamente verabreiche. Auch wollte weder der "betreuende" Tierarzt, Dr. Herbert Gantner aus Haugsdorf, noch der für diesen Skandal zuständige Amtstierarzt, Dr. Helmut Österreicher aus Hollabrunn, dazu eine Stellungnahme abgeben. Das Gleiche gilt für den politisch verantwortlichen ÖVP-Abgeordneten, Landwirtschaftskammerpräsident Rudolf Schwarzböck, der - konfrontiert mit den Videoaufnahmen und angesichts der ORF-Kameras - lieber Reißaus nahm.

Die Grünen erstatteten daraufhin Anzeige wegen schwerer Tierquälerei sowie Verletzung des Tierärzte- und Arzneimittelgesetzes bei der StA Korneuburg. Außerdem richteten sie eine parlamentarische Anfrage an die Gesundheitsministerin Sickl mit der Bitte um Klärung bezüglich Verschreibungspflicht, Wechselwirkungen, Lagerung, etc. Die Beantwortung langte vor kurzem ein und ist im Internet unter
http://www.parlinkom.gv.at/pd/pm/XXI/AB/texte/005/AB00565_.doc
abrufbar. Auch hierbei wird klar, daß es sich um grobe Verstöße gegen verschiedene Gesetze handelt:

Injektionen dürfen prinzipiell nur von einem Tierarzt verabreicht werden, auch was die Lagerung der Medikamente betrifft, ist diese im Gut Hardegg absolut unzureichend, denn angebrochene Flaschen müssen im Kühlschrank gelagert werden und dürfen nicht offen und verschmutzt herumstehen. Eine gleichzeitige Verabreichung mehrerer Medikamente, die in diesem Fall naheliegend ist, sei nicht üblich, so das Bundesministerium. Werden die vorgeschriebenen Wartezeiten nach Verabreichung der genannten Medikamente nicht eingehalten, muß dieses Fleisch als gesundheitsschädlich bewertet werden.

Das Gut Hardegg ist mit Sicherheit kein Einzelfall, aber durchaus die grausige Spitze eines riesigen Eisberges! Wird nun endlich diesem Mißbrauch zulasten von Tier und Mensch - zumindest nach dieser aufrüttelnden Sendung - ein Riegel vorgeschoben?

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