WirtschaftsBlatt über die Österreich Werbung: Der Fluch unfähiger Eigentümer von Erwin Frasl

Ausgabe vom 27.5.2000

Wien (OTS) - Die Grenze zwischen Unfähigkeit und Verantwortungslosigkeit ist schmal. Wie es ist, wenn sie überschritten wird, lässt das Beispiel der Österreich Werbung erkennen. Dort wird gerade wieder einmal krampfhaft nach einer neuen Geschäftsführung gesucht. Das zeigt, dass die Eigentümer der Österreich Werbung auf beiden Augen blind sind. Das darf allerdings nicht verwundern. Denn das Problem der Österreich Werbung sind nicht Geschäftsführung und Mitarbeiter, sondern die Eigentümer selbst. Das wäre weiter kein Problem, wenn es sich bei der Österreich Werbung um ein privates Unternehmen handelte. Unfähige Privatunternehmen landen schlimmstenfalls vor dem Konkursrichter. Leider sind der Staat (Bund 60 Prozent, Länder 20 Prozent) und die Wirtschaftskammer (20 Prozent) die Eigentümer der Österreich Werbung. Das heisst, die Gemeinschaft der Steuer- und Kammerbeitragszahler ist die finanzielle Geisel der Eigentümer für das 640 Millionen Schilling Budget der ÖW. Bund, Länder und Wirtschaftskammer sowie deren Vertreter im Präsidium der Österreich Werbung haben in den vergangenen Jahren ungerührt ein Debakel nach dem anderen zu verantworten, wie die fast endlose Reihe von Umbesetzungen in der Geschäftsführung der ÖW im vergangenen Jahrzehnt ausreichend dokumentiert. Gekrönt von der Spitzenleistung, dass der Haupteigentümer Bund in der Person des vormaligen Wirtschaftsministers Hannes Farnleitner nicht einmal in der Lage war, einen brauchbaren Geschäftsführervertrag für ein Unternehmen abzuschliessen, das die Grössenordnung eines grossen Installateurbetriebs hat. Statt eine neue Geschäftsführung für die Österreich Werbung zu suchen, sollten die jetzigen Eigentümer, Bund, Länder und Wirtschaftskammer, private Eigentümer für die ÖW suchen und sich schleunigst aus der ÖW zurückziehen, ehe sie mit ihrer Begabung für Dilettantismus noch mehr Unheil anrichten. Immerhin predigen der jetzige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und der designierte Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl ja seit Jahren die Notwendigkeit von Privatisierungen. Die ÖW-Privatisierung könnte ein besonders leicht realisierbares Paradebeispiel dafür sein, wie ernst es Schüssel und Leitl ist, politische Versprechen wahr zu machen. Und der Staat hätte sofort 350 Millionen eingespart. (Schluss) ejf

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Das Wirtschaftsblatt
Redaktionstel.: (01) 91919-305

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/OTS