2. ÖSTERREICHISCHE GESUNDHEITSFÖRDERUNGSKONFERENZ "PARTIZIPATIVE METHODEN IN DER GESUNDHEITSFÖRDERUNG"

Innsbruck (OTS) - Ein gesunder Lebensstil braucht Mitbestimmung
Ein gesundheitsfördernder Lebensstil kann nur
dann wirklich gelebt werden, wenn der Einzelne seinen Lebensraum mitgestalten kann und in Entscheidungsprozesse eingebunden ist. Darin waren sich die internationalen GesundheitsexpertInnen einig, die heute in Innsbruck auf der vom "Fonds Gesundes Österreich" veranstalteten "2. Österreichischen Gesundheitskonferenz" referierten. =

"Die Praxis zeigt es immer wieder: Erfolgreiche Gesundheitsförderung lässt sich nicht von oben nach unten verordnen", sagte Dennis Beck, Geschäftsführer des "Fonds Gesundes Österreich" auf der "2. Österreichischen Gesundheitskonferenz", die am Freitag in Innsbruck stattfand. "Gesundheitsförderung muss von den betroffenen Gruppen selbst getragen werden, um eine nachhaltige Änderung der Verhaltensweisen zu erreichen. Deshalb ist Partizipation auf allen Ebenen erforderlich."

Die Innsbrucker Konferenz war dem Generalthema "Partizipative Methoden in der Gesundheitsförderung" gewidmet. Nur wenn die Menschen in die für ihr Leben wichtigen Entscheidungs- und Gestaltungsprozesse eingebunden werden, so die Hauptthese der eingeladenen ReferentInnen, können gesundheitsfördernde Maßnahmen ihre Wirkung entfalten.

Das Mitbestimmung nicht nur eine theoretische Forderung ist, veranschaulichte einer der Hauptredner der Konferenz, Univ.-Prof. Dr. Bernhard Badura von der Fakultät für Geisteswissenschaften der deutschen Universität Bielefeld: "Die Menschen befinden sich heute in einer hochkomplexen Lage", führte Badura aus. "Als gesunde BürgerInnen haben sie Interesse an der Sicherstellung gesundheitsförderlicher Lebens- und Arbeitsbedingungen und ausreichender Versorgung im Krankheitsfall. Als Versicherte wollen sie geringe Beitragssätze, einen umfassenden Versicherungsschutz und gute Servicequalität der Krankenversicherung. Als PatientInnen wiederum haben wir in erster Linie Interesse an einer umfassenden, wirksamen und auch subjektive Prioritäten berücksichtigenden Versorgung." Weil es der Staat nicht mehr schaffen könne, all diese Interessen auszugleichen, müssen die Menschen Mittel und Möglichkeiten in die Hand bekommen, sich ihr eigenes "Gesundheitsumfeld" zu schaffen, sagte Badura. Gefragt sei deshalb ein Staat, der nach der Maxime "Hilfe zur Selbsthilfe" arbeitet und in erster Linie für die Selbstregulierungsfähigkeit einer demokratischen und sozial gerechten Gesellschaft zuständig ist. "Das gilt insbesondere auch für ein Gesundheitswesen unter Kosten- und Wettbewerbsdruck", meinte Badura.

Gefragt sind neben Mitbestimmungsmöglichkeiten aber auch die nötigen Informationen, die es Zielgruppen-spezifisch zu vermitteln gilt, führte Univ.-Prof. Dr. Dieter Kleiber vom Institut für Prävention und psychosoziale Gesundheitsforschung der Freien Universität Berlin aus. Um zum Beispiel Jugendliche zu erreichen -eine an Gesundheitsfragen meist wenig interessierte Bevölkerungsgruppe - bedient sich die moderne Gesundheitsförderung des so genannten "Peer-group"-Modells. Diese inzwischen in der Praxis vielfach bewährte Modell geht davon aus, dass Jugendliche Informationen von Gleichaltrigen ("Peers") bereitwilliger akzeptieren als die "Belehrungen" von Erwachsenen.

Trotz aller positiven Erfahrungen mit Peer-groups hat sich allerdings diese Methode in der Gesundheitsförderung noch nicht allgemein durchgesetzt, meint Kleiber: "Die Bedeutung, die Peers für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben, wird häufig noch unterschätzt. Ein fundierter theoretischer Hintergrund könnte hier helfen, das Wirkpotential von Peer-Programmen besser abschätzen zu können."

Allerdings müsse der Einfluss von Peergruppen nicht in jedem Fall notwendiger Weise positiv sein, meint dazu der Gesundheitssoziologe Dr. Wolfgang Dür vom Institut für Soziologie der Universität Wien:
Möglichen positiven Einflüssen stehe etwa die Gefahr der möglichen Entwicklung von Risikoverhaltensweisen entgegen, zum Beispiel durch Alkohol- oder Nikotinmißbrauch. An welche Peergruppen sich Jugendliche anschließen, werde wesentlich vom Klima im Elternhaus und in der Schule mitbestimmt. "Besonderes Augenmerk verdient dabei eine Schulkultur, die sich durch Mitbestimmungsmöglichkeiten auszeichnet", interpretiert Dür eine aktuelle WHO-Studie.

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