"Kleine Zeitung" Kommentar: "Erbsenzählen" (von Ulrich Stocker)

Ausgabe vom 26.05.2000

Graz (OTS) - Was ist eine Reise? Ein Erlebnisurlaub? Ein Ausbruch aus dem Alltagstrott? Eine lästige Geschäftsnotwendigkeit?

Wenn man im Parlament Definitionen sucht, geht es natürlich nicht um psychologische Gründe, sondern um Realpolitik.

Spendierte eine deutsche Bank dem Ex-Kanzler Vranitzky 31 oder elf Flüge? Sowohl als auch. Ein mehrtägiger Aufenthalt in Düsseldorf -das bedeutet mit dem leeren An- und Rückflug vier Luftbewegungen, aber nur eine Reise. So rechnete man es sich im Ausschuss gegenseitig vor. Die Erbsenzählerei verstärkt den Hautgout.

Die Freiflüge haben den Einstieg der Westdeutschen Landesbank bei der Bank Austria nicht begünstigt. Das ist ein unsinniges Konstrukt. Aber dass der Kanzler der Republik sich Werbetouren für den EU-Beitritt privat zahlen ließ, dass die Bank ihr "Interesse" daran aushängt, dass Vranitzky Tage nach dem Rücktritt als Bankkonsulent amtierte - das ist unwürdigste Schnorrerei: Arme Verwandte nehmen bei der reichen Bank.

Strenge Rechnungstrennung, bitte: Spitzenpolitiker gehören so bezahlt, dass sie über Geschenkchen lachen - und nicht zugreifen.

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