WirtschaftsBlatt über Autofahrerklubs: Wehe, wenn sie munter werden von Erwin Frasl

Wien (OTS) - Österreich ist ein Land der Theatermacher. Daran erinnert auch das jüngste Schauspiel Benzinpreiserhöhung auf mittlerweile bis zu 15,50 Schilling für einen Liter Super Plus. Die Rollen sind dabei seit Jahrzehnten fix verteilt. Die bösen Multis samt staatsnaher OMV erhöhen einträchtig die Treibstoffpreise, dann setzt das Pfeifkonzert der Zuschauer wie Politiker, Autofahrerklubs und sonstiger Konsumentenschützer ein. Danach wird unter Theaterdonner lautstark nach Väterchen Staat gerufen. In der Person des Wirtschaftsministers soll er die heile Welt niedriger Treibstoffpreise wieder herstellen: Beamte sollen die Preise prüfen. Wenn das die Ölmultis noch nicht zum Zittern bringt, dann soll die Regierung wieder amtliche Höchstpreise für Mineralölprodukte einführen. Wenn der Wirtschaftsminister das nicht tut, wird ihm von allen im Zuschauerraum Untätigkeit vorgeworfen, die die Autofahrer, so jetzt, täglich sieben Millionen Schilling kostet. Nachdem alle ihre Zwischenrufe gemacht haben fällt der Vorhang. Und es passiert -nichts. Alle sind glücklich. Denn alle haben brav ihre Pflichtäusserungen gemacht. Dieses Ritual wird sich wohl solange wiederholen, bis auch die sogenannten Interessenvertreter - von den Politikern über die Autofahrerklubs bis hin zu Arbeiterkammern und sonstigen Konsumentenschutzorganisationen bei Diskussionen über Treibstoffpreise den geistigen Übergang vom System der Kommando-Wirtschaft hin zur Freien Marktwirtschaft geschafft haben. Immerhin verfügen allein die beiden Autofahrerklubs ÖAMTC (1,3 Millionen Mitglieder) und ARBÖ (450.000 Mitglieder) über mehr Mitglieder als alle Parlamentsparteien zusammen (ÖVP: 600.000; SPÖ:
400.000; FPÖ: 52.000; Grüne: 15.000). Wenn die Autofahrerklub= s ÖAMTC und ARBÖ allerdings in ferner Zukunft ihre Marktmacht entdecken und für ihre Mitglieder mit allen Möglichkeiten der freien Marktwirtschaft nutzen, werden sie wohl locker auf marktwirtschaftliche Weise jene niedrigeren Treibstoffpreise erreichen, die sie jetzt in den gewohnten Stehsätzen vom Staat fordern. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, ÖAMTC und ARBÖ würden gemeinsam den Jahresbedarf an Treibstoff für ihre Mitglieder pe= r Ausschreibung - etwa über das Internet - einkaufen. Übrigens: Guten Morgen ÖAMTC. Guten Morgen ARBÖ. (Schluss) ejf

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