IX. Europäische Schlaganfallkonferenz in Wien

Neue Chancen in der Prävention und Behandlung von Schlaganfall

Wien (OTS) - In den westlichen Industriestaaten ist Schlaganfall
die dritthäufigste Todesursache. Vom 24. - 27. Mai 2000 diskutieren in der Hofburg Experten darüber, wie die Risikofaktoren vermindert und die neuesten Behandlungen von Schlaganfallpatienten verbessert werden können.

Neue invasive Techniken, moderne bildgebende Verfahren zur Verbesserung des Schlaganfall-Managements und Rehabilitation stehen im Mittelpunkt der IX. Europäischen Schlaganfallkonferenz in Wien. "Die richtige und vor allem rasche Therapie entscheidet beim Schlaganfall über Leben und Tod sowie über das Ausmaß einer eventuellen späteren Behinderung", sagt Univ.-Prof. Dr. Franz Aichner, Leiter der Neurologischen Abteilung an der Oberösterreichischen Landesnervenklinik Wagner-Jauregg und Vorsitzender der IX. Europäischen Schlaganfallkonferenz.

Neue Perspektiven durch minimal-invasive Techniken

Methoden wie Angioplastie und Stenting sollen es laut aktuellen Studien zufolge möglich machen, atherosklerotische Veränderungen in der Halsschlagader auch bei Risikopatienten zu entfernen. Atherosklerose, die so genannte "Arterienverkalkung", wird weltweit für rund 14 Millionen Todesfälle verantwortlich gemacht, die meisten davon gehen auf das Konto von Herzinfarkten und Schlaganfällen. In den westlichen Industrieländern gelten Schlaganfälle als die häufigste Ursache für Invalidität. Die beste Therapie ist die Prävention - dies gilt auch beim Schlaganfall. Haben atherosklerotische Veränderungen in der Halsschlagader ein derart kritisches Ausmaß angenommen, dass die ausreichende Hirndurchblutung akut gefährdet ist, muss chirurgisch eingegriffen werden, um einem Schlaganfall vorzubeugen. "Die von uns behandelten Patienten werden immer älter und leiden neben atherosklerotischen Veränderungen unter zahlreichen anderen Erkrankungen. Ein offener chirurgischer Eingriff stellt für sie ein hohes Risiko dar", sagt Prof. Aichner. Neue Perspektiven bieten hier die minimal-invasiven Eingriffe -Angioplastie und Stenting -, die in der Behandlung verengter Herzkranzgefäße heute weit verbreitet sind. Was ihren Einsatz an der Halsschlagader betrifft, befinden sich diese Techniken erst in der Erprobungsphase.

Allerdings mit viel versprechenden Ergebnissen, wie einige Studien zeigen, in deren Rahmen die minimal-invasiven Techniken zur Behandlung einer verengten Halsschlagader angewendet wurden. "Eine beim Kongress vorgelegte Untersuchung zeigt, dass die Komplikationsrate während des Eingriffes bei nur fünf Prozent liegt, auch eine neuerliche Verengung des Gefäßes trat nur in fünf Prozent der Fälle auf", sagt Prof. Aichner. Insgesamt sind mehr als 3.500 Patienten analysiert worden.

Stroke Units

Die bestmögliche Behandlung, da sind sich die Experten einig, erhalten Schlaganfallpatienten heute in speziell ausgestatteten, so genannten "Stroke-Units". In diesen spezialisierten Abteilungen arbeitet hoch qualifiziertes, in der Akuttherapie des Schlaganfalls besonders geschultes Personal - Ärzte, Pflegepersonal, Logo- und Physiotherapeuten - und es stehen modernste Geräte und Medikamente zur Verfügung.

"Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Sterberate bei Patienten, die in Stroke-Units behandelt werden, deutlich gesenkt werden kann", erklärt Prof. Aichner. "Auch die Lebensqualität nach dem Schlaganfall kann erkennbar verbessert werden." Seit vier Jahren gibt es diese Einrichtungen auch in Österreich, im Moment ist die Versorgung der Bevölkerung jedoch noch nicht flächendeckend gewährleistet.

Neue bildgebende diagnostische Verfahren

Sowohl in der Magnetresonanztherapie als auch im Bereich der Ultraschalldiagnostik konnten in den letzten Jahren beachtliche Erfolge erzielt werden. Aufgrund der hohen Auflösung der modernen diagnostischen Verfahren ist erstmals die optimale individuelle Behandlung von Schlaganfallpatienten möglich geworden. Dies gilt sowohl für die Akutbehandlung als auch für die Prävention. "Mit Hilfe der Magnetresonanztomographie ist es möglich, innerhalb von 20 Minuten das Ausmaß der vorliegenden Hirndurchblutungsstörung zu beurteilen", sagt Univ.-Prof. Dr. Michael G. Hennerici, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Mannheim. Bereits geschädigte Hirnareale könnten dadurch von jenen Regionen abgegrenzt werden, die noch intakt, jedoch durch die vorliegende Minderdurchblutung bedroht sind.

Auch im Bereich der Ultraschalldiagnostik konnten in den vergangenen Jahren beträchtliche Fortschritte erzielt werden. So ist es heute möglich, minderdurchblutete Areale im Gehirn ohne großen Technologieaufwand zu erkennen. Im Bereich der Verlaufsuntersuchungen nach dem Schlaganfall könnte dies eine wesentliche Erleichterung mit sich bringen.

Ein wichtiges Anwendungsgebiet der modernen, hoch sensiblen Ultraschallverfahren ist die Prävention. "Atherosklerotische Veränderungen können heute frühzeitig, bevor ein kritischer Verschluss des Gefäßes aufgetreten ist, identifiziert werden", so Prof. Hennerici. "Patienten mit einem hohen Schlaganfall-Risiko können so schon vorbeugend behandelt werden, um einen Schlaganfall zu vermeiden."

Rehabilitation und ihr Einfluss auf die spätere Lebensqualität

Die Rolle der Rehabilitation nach einem Schlaganfall ist ein weiterer wichtiger Themenschwerpunkt auf der Konferenz in Wien. Ihr Einfluss auf die spätere Lebensqualität, Berufsfähigkeit und Wiedereingliederung in den Alltag macht sie zu einem integralen Bestandteil der Therapie. "Rehabilitation nach einem Schlaganfall ist möglich, weil das Gehirn in der Lage ist, sich an die veränderten Verhältnisse anzupassen und eine Neuorganisation der Hirnfunktionen durchzuführen", erklärt Univ.-Prof. Dr. Julien Bogousslavsky, Leiter der Neurologischen Abteilung des "Centre Hospitalier Universitaire Vaudois" in Lausanne, der auch Vorsitzender des "European Stroke Council" ist. "Der Verlust von Gehirnsubstanz nach dem Schlaganfall kann auf diese Weise zumindest teilweise kompensiert werden."

Techniken, die diesen Erholungs- und Umstrukturierungsprozess des Gehirns unterstützen können - etwa eine Stimulation über die Haut -, befinden sich derzeit in der Erprobungsphase. Eine wichtige Rolle in der Heilbehandlung des Schlaganfallpatienten spielen Physio-, Logo-und Beschäftigungstherapie. Diese Therapien müssen jedoch nicht notwendigerweise im Spital durchgeführt werden, denn die Rehabilitation, die zuhause unter Anleitung geschulter Therapeuten erfolgt, kann jener im Spital durchaus ebenbürtig sein, lautet etwa das Ergebnis einer neuseeländischen Studie.

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